Von einem brennenden Rasenmäher griff das Feuer auf die Fassade eines dreistöckigen Genossenschaftshauses über. Die Stadtfeuerwehr Güssing und zwei Nachbarfeuerwehren konnten ein Übergreifen des Brandes auf die Wohnungen in letzter Sekunde verhindern!
Am 9. Oktober 2007, um 8.58 Uhr, wurde die Stadtfeuerwehr Güssing von der Feuerwehralarmzentrale in Eisenstadt mittels Rufempfänger zu einem Brand eines Rasenmähers in die Josef-Reichl-Straße in Güssing gerufen. Minuten nach der Alarmierung rückte die Stadtfeuerwehr, angeführt von SBI Thomas Jandrasits und weiteren fünf Feuerwehrmitgliedern, mit dem Tanklöschfahrzeug 4000 zum Brandeinsatz aus.
FASSADE IN VOLLBRAND
Schon bei der Anfahrt zum Einsatzort erkannte die Besatzung des TLF aufgrund der starken Rauchentwicklung, dass es sich hier nicht nur um einen Brand eines Rasenmähers handeln konnte!
In der Zwischenzeit gingen in der Feuerwehralarmzentrale weitere Anrufe aus Güssing ein. Der Disponent löste daher zusätzlich zu der Erstalarmierung mit Rufempfänger Sirenenalarm aus. Am Einsatzort angekommen, bot sich Einsatzleiter SBI Jandrasits ein Bild des Schre-ckens: Das auf der Fassade aufgebrachte Wärmedämmverbundsystem eines dreistöckigen Genossenschaftshauses stand im Vollbrand.
NACHBARFEUERWEHREN NACHALARMIERT
Ohne lange zu zögern, ordnete Einsatzleiter Jandrasits die sofortige Nachalarmierung der Nachbarfeuerwehren Urbersdorf und Steingraben an. Die beiden Feuerwehren sollten die erforderlichen Zubringleitungen verlegen und Atemschutzgeräteträger als Atemschutzreserve abstellen. In dieser Phase des Einsatzes musste rasch geklärt werden, ob sich noch Bewohner im brennenden Haus befanden!
UMFASSENDER LÖSCHANGRIFF
Als erste Löschmaßnahme nahmen die Einsatzkräfte ein Hochdruckrohr vor und löschten die brennende Fassade beim Eingang des Wohnhauses ab. Erst danach konnten Atemschutztrupps in das Gebäude eindringen und einen Innenangriff vornehmen. Gleichzeitig wurde im Außenbereich ein C-Rohr in Stellung gebracht, um den sich rasch ausbreitenden Brand an der Fassade zu löschen. Die Besatzung des Kommandofahrzeuges errichtete inzwischen eine Einsatzleitung und den Atemschutzsammelplatz.
KONTROLLE DER WOHNUNGEN
Nachdem der erste Atemschutztrupp die stark verrauchten Wohnungen im ersten und zweiten Stock des Gebäudes auf eingeschlossene Personen durchsucht hatte, stellte der Trupp fest, dass im dritten Stock eine Wohnung versperrt war und das Auto der jungen Wohnungsbesitzerin im Hinterhof parkte. Der zweite Atemschutztrupp hatte daher in Absprache mit der anwesenden Polizei die Wohnungstür mit dem Türöffner geöffnet. Es befand sich zum Glück niemand in der verrauchten Wohnung.
Inzwischen wurde im Hinterhof des Gebäudes die Drehleiter der Stadtfeuerwehr Güssing in Stellung gebracht und die brennende Wärmedämmung (expandiertes Polystyrol) hinter dem Außenputz mit der Wärmebildkamera lokalisiert und mit Wasser aus dem Hochdruckrohr gelöscht.
LETZTE GLUTNESTER GELÖSCHT
Kurz nach 9.45 Uhr hatten die Feuerwehrmitglieder die letzten glosenden Wärmedämmplatten gelöscht und Einsatzleiter SBI Jandrasits konnte das Kommando „Brand aus“ geben. Abschließend mussten das stark verrauchte Stiegenhaus und die von den giftigen Rauchgasen beeinträchtigten Wohnungen mit dem Überdruckbelüfter rauchfrei gemacht werden. Gemeinsam mit den Feuerwehren Urbersdorf und Steingraben entfernten die Feuerwehrmitglieder aus Güssing dann teilweise den Außenputz, um sicherzugehen, dass sich keine Glutnester mehr dahinter befanden. Wertvolle Hilfe leistete dabei die bei den Bezirksstützpunktfeuerwehren stationierte Wärmebildkamera.
RESÜMEE
Durch das rasche und beherzte Eingreifen der Stadtfeuerwehr Güssing und der Nachbarfeuerwehren aus Urbersdorf und Steingraben konnte ein Übergreifen des Brandes auf die Wohnungen im zweiten und dritten Stock bzw. auf den Dachstuhl des Hauses verhindert werden. Der geschätzte Sachschaden wurde auf etwa 100.000 Euro eingeschätzt. Auch die Wohnungseigentümer, darunter ein um sein Leben bangender Rollstuhlfahrer, konnten noch rechtzeitig und unversehrt das brennende Haus verlassen. Glück im Unglück hatte eine junge Mutter, die sich mit ihren beiden Kindern im Wohnzimmer aufgehalten hatte, während die Flammen bereits durch das Fenster in das Kinderzimmer schlugen.
IM EINSATZ
Stadtfeuerwehr Güssing mit 17 Mann
Ortsfeuerwehren Urbersdorf und Steingraben mit je 5 Mann
7 Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr
3 Atemschutztrupps
1 Wärmebildkamera
2 Überdruckbelüfter
Aus „Die Wehr“, 11/12-2007
Fotos: FF Güssing























