WBK im Feuerwehreinsatz
Wärmebildkameras (WBK) sind im Feuerwehrdienst unverzichtbar. Sie machen Temperaturunterschiede sichtbar und unterstützen bei der Personensuche, Brandbekämpfung und technischen Einsätzen. Doch nicht jede Kamera eignet sich für jeden Einsatzzweck.

Die Stärken der WBK sind in einigen zentralen Einsatzfeldern klar definiert. Beim Innenangriff ermöglicht sie eine Orientierung bei Nullsicht, das Erkennen heißer Rauchschichten und von Flashover-Indikatoren sowie eine sichere Strahlrohrführung. Bei der Personensuche in verrauchten Gebäuden ist sie häufig das Hilfsmittel, das eine schnelle Lokalisierung von Vermissten ermöglicht. Bei Nachlöscharbeiten hilft sie, Glutnester in Dachkonstruktionen, Fassaden oder Dämmungen aufzuspüren, bevor es zu einem Wiederaufflammen kommt. Darüber hinaus unterstützt sie bei der technischen Hilfeleistung, etwa beim Ausschluss weiterer Personen an einer Unfallstelle, sowie bei grundlegenden Gefahrgutlagen zur Beurteilung von Füllständen oder Temperaturverläufen an Behältern. So vielseitig diese Möglichkeiten auch sind, so klar ist die Einschränkung: Die Wärmebildkamera ist ein Unterstützungsmittel, aber kein Alleskönner. Sie ersetzt weder die taktische Ausbildung noch das regelmäßige Training unter realistischen Bedingungen. Eine Kamera, die im Ernstfall nicht intuitiv bedient werden kann, birgt mehr Gefahren als Nutzen.
Zwei Kategorien – eine klare Orientierung.
Die aktuelle Fachempfehlung des Deutschen Feuerwehrverbandes, die auch für österreichische Feuerwehren eine wichtige Orientierungsgrundlage darstellt, unterscheidet zwei Hauptkategorien von WBK. Für die überwiegende Mehrzahl der Freiwilligen Feuerwehren ist die erste und entscheidende Kategorie die Angriffs-, Orientierungs- und Rettungskamera (AOR-WBK). Sie ist als Standardausrüstung für den Atemschutztrupp im Innenangriff konzipiert und soll laut Fachempfehlung ein Maximalgewicht von 0,9 Kilogramm nicht überschreiten. Robustheit, einfache Bedienbarkeit und hohe Temperaturbeständigkeit stehen hierbei im Vordergrund. Vertreter dieser Kategorie, die auch im Empfehlungsblatt des Landesfeuerwehrverbandes Steiermark gelistet sind, sind beispielsweise die Bullard TXS mit 750 Gramm oder die Dräger UCF FireVista mit rund 870 Gramm. Die zweite Kategorie ist die taktische WBK. Sie ist für Führungskräfte und besondere Einsatzlagen vorgesehen, soll bis zu 1,2 Kilogramm wiegen und verfügt typischerweise über ein mindestens 3,5 Zoll großes Display. Taktische Wärmebildkameras werden je nach Einsatzfeld weiter unterteilt: für CBRN-Lagen (Gefahrstoff- oder Schadstoffeinsatz), für die Lageführung bei Großbränden oder für den Einsatz in unterirdischen Verkehrsanlagen wie Tunneln und Tiefgaragen. Modelle wie die Leader TIC 3.1 oder die Leader TIC 4.1 mit einem Gewicht von 910 bzw. 990 Gramm können auch dieser Kategorie zugerechnet werden. In Österreich wird nicht in dieser Form jedoch nicht unterschieden.
Die richtige Wahl.
Bei der Auswahl einer Wärmebildkamera ist es zunächst wichtig, das eigene Einsatzspektrum zu bewerten. Eine Feuerwehr, die vorwiegend bei Wohnhausbränden und technischer Hilfeleistung zum Einsatz kommt, hat andere Anforderungen als eine Stützpunktfeuerwehr, die regelmäßig Industrieanlagen, Tunneleinsätze oder Großbrände abarbeitet. Was die technischen Anforderungen betrifft, gilt eine Auflösung von 320 × 240 Pixeln als solider und für die große Mehrzahl der Einsatzsituationen einer Freiwilligen Feuerwehr ausreichender Standard. Die Schutzklasse IP67 sowie eine nachgewiesene Sturzfestigkeit und Temperaturbeständigkeit für den Innenangriff sind unverhandelbar. Besonderes Augenmerk verdient die Handhabung: Die Kamera muss sich mit Feuerwehrschutzhandschuhen nach DIN EN 659 oder vergleichbaren Feuerwehrhandschuhen sicher und intuitiv bedienen lassen. Dazu sind wenige große Tasten sowie eine klare Bedienoberfläche erforderlich. Bedienmöglichkeiten im Ein-Tasten-Betrieb sind hier von großem Vorteil. Die Akkutechnik wird im Alltag oft unterschätzt: Eine Dockingstation im Fahrzeug, eine verlässliche Ladezustandsanzeige und eine ausreichende Laufzeit sind Garant dafür, dass die Kamera im Ernstfall tatsächlich einsatzbereit ist.
Zur Frage der Anzahl der WBK hält die Fachempfehlung klar fest: Der Sicherheitstrupp muss im Atemschutzeinsatz mindestens ebenso gut ausgerüstet sein wie der Angriffstrupp. Wehr, sollte für jeden Atemschutztrupp (je drei Atemschutzgeräte) eine Kamera haben, da sie sonst ihre einsatztaktischen Möglichkeiten bei Nullsicht erheblich einschränkt. Eines der wichtigsten Gebote bei der Beschaffung lautet: keine Katalogbeschaffung. Die infrage kommenden Geräte müssen physisch vorliegen, von den eigenen Kräften angefasst, getestet und unter einsatznahen Bedingungen erprobt werden. Denn was sich im Katalog gut liest, kann sich in behandschuhter Hand unter Atemschutz ganz anders anfühlen.
Normen und rechtlicher Rahmen.
Eine bundeseinheitliche (österreichische) Rechtsvorschrift, die Wärmebildkameras für Feuerwehren technisch detailliert regelt, existiert derzeit nicht. Maßgeblich sind die Empfehlungen der österreichischen Landesfeuerwehrverbände sowie die Fachempfehlung des Deutschen Feuerwehrverbandes, die in Österreich de facto als Orientierungsgrundlage gilt. Als internationaler Qualitätsmaßstab für Robustheit, Bildqualität und Bedienkonzept dient der US-amerikanische Standard NFPA 1801, da es an einer europäischen Norm mangelt. Für im Gefahrgut- oder CBRN-Bereich eingesetzte Kameras ist zusätzlich eine Zertifizierung nach der ATEX-Produktrichtlinie zwingend erforderlich. Wer sich bei der Beschaffung an der Fachempfehlung des DFV, der Landesfeuerwehrverbände und der NFPA 1801 orientiert und dies dokumentiert, handelt nach den anerkannten Regeln der Technik – auch ohne spezifisches österreichisches WBK-Gesetz.
Ausblick.
Die technische Entwicklung von Wärmebildkameras schreitet zügig voran. Für die typische Freiwillige Feuerwehr werden in den nächsten Jahren vor allem bodenständige Verbesserungen spürbar sein: eine bessere Bildaufbereitung im Standardsegment, leichtere und noch robustere Gehäuse, vereinfachte, normkonforme Bedienkonzepte sowie zuverlässigere Akkusysteme. Technisch faszinierende Themen wie maskenintegrierte Wärmebildkameras mit Freihandbetrieb, Live-Videoübertragung zur Einsatzleitung oder KI-gestützte Flashover-Erkennung sind dagegen mittelfristig eher im Bereich der Berufsfeuerwehren und Industriebetriebe angesiedelt.
Fazit
Für die überwiegende Mehrheit der freiwilligen Feuerwehren lautet die Antwort auf die Frage nach der richtigen Kamera klar: Eine robuste und einfach bedienbare Wärmebildkamera sollte auf dem Erstangriffsfahrzeug vorhanden sein, eine zweite für den Sicherheitstrupp. Wer darüber hinaus regelmäßig Stützpunktaufgaben, Industrieobjekte oder Tunnelanlagen betreut, kann nach den örtlichen Erfordernissen weitere Kameras in Betracht ziehen. Entscheidend ist in jedem Fall nicht der Preis, sondern die Eignung für den eigenen Einsatz: Die Kameras müssen unter realen Bedingungen erprobt werden, und die Kräfte müssen entsprechend ausgebildet sein und im Umgang mit den Kameras vertraut sein.
Autor: Martin Unger
Foto: BFV Feldbach
Blaulicht-GearSpot:
Dräger UCF FireVista
Klein, leicht, robust und mit nur einem Knopf bedienbar: Die kompakte Wärmebildkamera Dräger UCF FireVista bietet auch unter schwersten Einsatzbedingungen eine exzellente Bildqualität.
