ELF gegen Chaos
Größere Feuerwehreinsätze beginnen häufig mit unklaren Lageverhältnissen. Strukturierte Lagebeurteilung, klare Entscheidungen und koordinierte Teamarbeit sind entscheidend für eine erfolgreiche Einsatzführung.

Alle von Einsatzleitfahrzeug Steiermark – kommen!“ Gemeinsam mit bestens ausgebildeten Kräften bildet das Einsatzleitfahrzeug (ELF) ein wichtiges Werkzeug für eine effiziente Unterstützung der Einsatzleitung vor Ort bzw. zum Führen taktischer Einheiten im Feuerwehreinsatz. Oftmals fällt der Fachbegriff „Führungsunterstützung“ gemeinsam mit dieser taktischen Einheit, ein vermeintlich kurzes Wort, denn es vereint doch viele Aufgaben und Tätigkeiten in sich. Sei es die Lagedarstellung, die Lageführung samt (Funk-)Kommunikation, Dokumentation oder Administration im Feuerwehreinsatz … Die Einsatzleitung in Verbindung mit dem Einsatzleitfahrzeug ist die Anlauf-/Schalt- und Schnittstelle im gesamten Einsatzgeschehen.
Drei Funktionsbereiche.
Als Basis für das neue ELF der FF Vordernberg, das als Bereichsstützpunktfahrzeug im BFV Leoben eingesetzt wird, dient ein allradgetriebener Kastenwagen des Typs Mercedes-Benz Sprinter 519 CDI 4×4. Auf- und Ausbau wurde von der Magirus Lohr GmbH in Premstätten realisiert und folgen einem klar strukturierten, einsatzorientierten Konzept. Es gliedert sich in drei funktionale Kernbereiche: Im vorderen Fahrzeugsegment befinden sich der Fahrer- sowie der integrierte Arbeitsraum, während das Heck als klassischer Geräteraum ausgeführt ist. Ergänzend dazu wurde auf der Beifahrerseite ein außenliegender Arbeitsbereich geschaffen, der eine effiziente Geräteentnahme und unmittelbare Einsatzvorbereitung ermöglicht. Die taktische Fahrzeugkonzeption sowie die räumlichen Gegebenheiten erlauben eine Besatzung von 1:3. Im Fahrerraum stehen Sitzplätze für den Maschinisten und einen Beifahrer zur Verfügung, während im unmittelbar anschließenden Arbeitsraum zwei weitere, vollwertige Sitzplätze untergebracht sind. Sämtliche Sitzplätze sind mit Sicherheitsgurten sowie Sitzerkennungssystemen ausgestattet und somit für den sicheren Betrieb während der Fahrt zugelassen.
Kommunikation
• Hohe Bodenfreiheit für unwegsames Gelände
• 4x Digital-Mobilfunkgeräte
• 3x Analog-Mobilfunkgeräte (70 cm, 2 m, 4 m)
• Funkbediensystem: Lardis
• 2 Funkarbeitsplätze
• Fußtaster für freihändiges Funken
• Kurzzeit-Sprachaufzeichnung
• Zusätzliche Handfunkgeräte (digital + analog)
Funk als Herzstück.
Das Herzstück des ELF bildet der (Funk-)Arbeitsraum. Eine umfassende Funktechnik in Form von 4 x Digital-Mobilfunkgeräten und 3 x Analog-Mobilfunkgeräten (70 cm, 2 m, 4 m) wird über das Funkbediensystem „Lardis“ auf den zwei Funkarbeitsplätzen bedient bzw. besprochen. Das Funkbediensystem in Verbindung mit den aufschaltbaren Sprechstellen bzw. den Fußtastern (zur freihändigen Auftastung von Funkkreisen) sowie der Kurzzeit-Sprachaufzeichnung erhöht die Funktionalität des Einsatzleitfahrzeuges und bildet die Basis für eine komfortable Bedienung und Besprechung von mehreren Funkgeräten/Funkkanälen durch die Bedienmannschaft. Im Rahmen der Beladung werden zudem noch weitere Handfunkgeräte (digital und Analog-70 cm) für die Verwendung durch die Einsatzleitung, Lotsen oder andere Einsatzzwecke vorgehalten. Zudem finden sich im Arbeitsraum mehrere Staukästen zur Unterbringung von Führungsmitteln, Mappen, Schreibutensilien bzw. allgemeiner Beladung.
Erweiterte Ausstattung.
Zum Ausstattungsportfolio gehört das umfangreiche EDV-Equipment: zwei Laptops, drei Zusatzbildschirme, Multifunktionsdrucker, Plotter, WLAN-Router samt Antenne, externe Ein- und Ausgabe-Schnittstellen und ein Smartboard mit einer Bildschirmdiagonale von 55 Zoll. Auch die Einsatzdrohne und das Zubehör werden im Fahrzeug gehaltert und können somit vom Fahrzeug aus in den Einsatz gebracht werden. Die Drohne samt Zubehör lagert im heckseitigen Geräteraum, der Akku-Ladekoffer ist im Arbeitsraum situiert. Um die volle Ladekapazität der Drohnen-Akkus für den Einsatzfall zu gewährleisten und eine Ladung während der Anfahrt zum Einsatzort zu ermöglichen (die Laderegelung der Akkus im „Standby-Modus“ hält einen Ladestatus von rund 50 %), wurde ein eigener Wechselrichter 12/230 V installiert.
Intelligente Stromversorgung.
Wie sich nun vermuten lässt, ergeben sich so in Summe viele elektrische Verbraucher im ELF, die im Volllastbetrieb eine nicht unrelevante Energiebilanz ergeben. Um den dauerhaften Volllastbetrieb bewerkstelligen zu können, wurde neben einer Spannungs-Fremdversorgungsmöglichkeit (Spannungsversorgung über Kabel) auch ein Fahrzeug-Einbaugenerator (Motoranbausatz) verbaut. Demnach verfügt das Fahrzeug auch über eine intelligente Einspeiseerkennung und Vorrangschaltung zur Spannungsversorgung. Neben einem pneumatisch ausfahrbaren Funkmast samt einer schaltbaren Kennleuchte am Funkmastkopf konnte der Großteil der Beladung im heckseitigen Geräteraum untergebracht werden. Hier findet sich beispielsweise ein Faltzelt mit Zubehör, Feuerlöscher, Absperr-/Sicherungsmaterial, Beleuchtungs- und Kabelmaterial sowie eine Tischgarnitur samt Sitzbänken. Bleibt noch, wie schon eingangs angemerkt, der dritte Funktionsbereich: der Außen-Arbeitsbereich an der Beifahrerseite. Eine Außensteckdose mit unterschiedlichen Schnittstellen ermöglicht u. a. den Betrieb des Smartboards, dazu wird das Smartboard in eine Vorrichtung an der Schiebetür montiert und über die Schnittstellen in das Fahrzeug eingebunden – die umgesetzte Ausführung erlaubt es zudem, dass das Smartboard unabhängig davon, ob die Schiebetür geöffnet oder geschlossen ist, betrieben und bedient werden kann. Außerdem ermöglicht ein klappbares Stehpodest die Erweiterung um einen weiteren Steh-Arbeitsplatz im Außenbereich, auch diesem Arbeitsplatz ist eine Schnittstelle für EDV-Endgeräte integriert. Eine elektrisch ausfahrbare Markise dient als Sonnen- und Regenschutz.
Einsatzleitfahrzeug der dritten Generation.
Vor allem die umfangreiche Funktechnik, das Smartboard mit seiner Multifunktionalität und die Einsatzdrohne werden künftig einen wesentlichen Bestandteil im Betrieb des ELF bzw. in der Einsatzleitung bilden. Neben dem alltäglichen Einsatzgeschehen wird das Fahrzeug auch für Katastropheneinsätze oder im Blackout-Fall als wichtiges Einsatzmittel zur Verfügung stehen. Dank der intensiven und konstruktiven Zusammenarbeit mit den Stützpunktfeuerwehren, dem Landesfeuerwehrinspektorat und der LFV-Funkwerkstätte konnte das Projekt und die somit bereits 3. Fahrzeuggeneration an Einsatzlöschfahrzeugen umgesetzt und ausgeliefert werden. „Hier Einsatzleitfahrzeug Steiermark, verstanden – Ende“.
Autor: OBI d.LFV Ing. Thomas Rauch, verantwortlicher Feuerwehrtechniker des LFV Steiermark für Förderungen, Konzepte und Ausschreibungen.
Fotos: LFV Steiermark
Blaulicht-GearSpot:
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