Einsatztechnik von morgen
Maßgeschneiderte Fahrzeugkonzepte und innovative Einsatztechnik stehen im Mittelpunkt der INTERSCHUTZ 2026. Hersteller wie Empl und Rosenbauer präsentieren spezialisierte Lösungen für Feuerwehr, Industrie und Katastrophenschutz.

Seit mehr als sieben Jahrzehnten ist die INTERSCHUTZ das internationale Schaufenster für Feuerwehr, Rettungswesen und Bevölkerungsschutz. Was einst unter dem Namen „Der Rote Hahn“ begann, hat sich zur weltweit größten Leitmesse der Branche entwickelt. Unter dem Motto „Safeguarding tomorrow“ versammeln sich von 1. bis 6. Juni 2026 mehr als 1.600 Unternehmen aus 53 Ländern auf über 114.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche. Damit wird Hannover erneut zum globalen Zentrum der Einsatztechnik. Besonders im Fokus steht dabei die Fahrzeugtechnik. Hersteller wie Rosenbauer, Empl, Magirus, Ziegler oder Lentner nutzen die Bühne, um ihre neuesten Entwicklungen zu präsentieren – und damit auch ihre Antworten auf die Herausforderungen unserer Zeit.
Empl: Maßgeschneiderte Lösungen im Fokus
Ein besonders spannender Blick richtet sich auf den Tiroler Aufbauhersteller Empl, der auf der INTERSCHUTZ 2026 mit einem über 500 Quadratmeter großen Stand in Halle 27 vertreten sein wird. Der Spezialist für individuelle Lkw-Aufbauten zeigt einmal mehr, dass Standardlösungen längst nicht mehr ausreichen. Gefragt sind Fahrzeuge, die exakt auf die jeweiligen Einsatzbedingungen zugeschnitten sind – sei es für kommunale Feuerwehren, Industrieanlagen oder Katastrophenschutzeinheiten.
Volle Auftragsbücher in bewegten Zeiten Trotz globaler Krisen und geopolitischer Spannungen zeigt sich: Die Nachfrage nach moderner Feuerwehrtechnik ist ungebrochen. Bei Empl sind die Auftragsbücher gut gefüllt. Aktuell werden zahlreiche Großprojekte umgesetzt – darunter 26 Tanklöschfahrzeuge TLF 3000 für Sachsen-Anhalt sowie 24 TLF 4000 im Rahmen einer Gemeinschaftsbeschaffung mehrerer deutscher Bundesländer. Auch Katastrophenschutzfahrzeuge wie elf LF 20 KatS für Berlin-Brandenburg stehen auf der Liste. Weitere Ausschreibungen konnten ebenfalls gewonnen werden, darunter mehrere MLF, LF 10 und HLF 10 für Sachsen-Anhalt. Sämtliche Fahrzeuge entstehen auf MAN-TGM-Fahrgestellen – ein klares Zeichen für standardisierte, aber gleichzeitig individuell anpassbare Serienlösungen.
Industriepower auf Scania
Ein eindrucksvolles Beispiel dafür ist das Tanklöschfahrzeug für die Betriebsfeuerwehr Infineon in Villach. Aufgebaut auf einem Scania P 500 mit großzügiger CrewCab, vereint das Fahrzeug hohe Löschleistung mit durchdachter Ergonomie. Im Mannschaftsraum stehen individuell verstellbare Einzelsitze zur Verfügung, die auf Aluminium-Profilsystemen montiert sind und sich flexibel anpassen lassen. Fünf dieser Sitze sind mit integrierten Atemschutzhalterungen ausgestattet, während zusätzliche Geräte im Fahrerraum untergebracht sind. Pneumatisch ausklappbare Auftritte erleichtern das sichere Einund Aussteigen – ein Detail, das im Einsatzalltag entscheidende Vorteile bringt.
Im Heck arbeitet eine leistungsstarke Einbaupumpe mit einer Förderleistung von 6.000 Litern pro Minute. Der Löschmitteltank fasst 5.000 Liter Wasser und 1.000 Liter Schaummittel. Für den Löschangriff stehen mehrere Schnellangriffssysteme bereit – von klassischen Schlauchlösungen bis hin zu Hochdruck- und Strom-Schnellangriffseinrichtungen. Besonders auffällig ist das Dachkonzept: Neben einem leistungsstarken Monitor befinden sich dort mehrere Gerätekästen, eine multifunktionale Leiterlösung und ein modernes Kamerasystem. Ergänzt wird die Ausstattung durch einen 30-kVA-Generator sowie umfangreiche Rettungs- und Spezialgeräte, die das Fahrzeug zu einem echten Allrounder für Industrieeinsätze machen.
Dekontamination neu gedacht
Mit dem Abrollbehälter Dekontamination zeigt Empl, wie stark Automatisierung mittlerweile Einzug in die Einsatztechnik hält. Das System wurde für die Werkfeuerwehr des Chemieparks Knapsack entwickelt und arbeitet weitgehend autark: Frischund Abwassertanks sind direkt integriert, sodass keine zusätzlichen Fahrzeuge benötigt werden. Der Dekontaminationsprozess läuft weitgehend automatisiert ab und benötigt pro Einsatzkraft nur etwa 1,5 bis 2 Minuten. Gleichzeitig wird der Wasserverbrauch auf rund 40 Liter pro Person reduziert. Besonders bemerkenswert ist die Effizienz: Innerhalb von etwa fünf Minuten ist das System einsatzbereit und kann von lediglich zwei Personen betrieben werden – ein deutlicher Fortschritt gegenüber herkömmlichen Lösungen.
HLF-I Airbus
Für die Werkfeuerwehr Airbus in Manching entwickelte Empl ein HLF auf Scania P370, das speziell auf industrielle Anforderungen zugeschnitten ist. Das Fahrzeug verfügt über einen 3.000-Liter-Wassertank sowie einen 250-Liter-Schaummitteltank. Im Geräteraum ist eine FPN 10/3000 Pumpe mit CAFS-System integriert, wodurch eine effiziente Schaumerzeugung möglich ist. Auf dem Dach finden sich zahlreiche technische Lösungen: ein pneumatisch aufklappbares Geländer, ein Lichtmast, Dachkästen sowie ein 360°-Kamerasystem. Eine elektrisch betriebene Leiterabsenkvorrichtung erleichtert den Zugriff auf die vierteilige Steckleiter. Auch im Bereich der technischen Hilfeleistung überzeugt das Fahrzeug mit einer leistungsstarken Seilwinde, umfangreicher Akkutechnik und moderner Rettungsausrüstung.
HLF 20 Primus
Das HLF 20 für die Freiwillige Feuerwehr Hilpoltstein zeigt, wie moderne Serienfahrzeuge heute aussehen können. Aufgebaut auf einem MAN TGM 16.320 4×4, bietet es Platz für eine Besatzung von neun Personen. Mit 2.000 Litern Wasser, einer leistungsstarken Pumpe und einem modernen Schaumzumischsystem ist es für klassische Brandeinsätze bestens gerüstet. Gleichzeitig wurde viel Wert auf Bedienkomfort gelegt: Die Pumpensteuerung erfolgt über ein digitales Bedienfeld, während Einpersonen-Haspeln und moderne Warnsysteme den Einsatz unterstützen. Auch im Bereich der technischen Hilfeleistung überzeugt das Fahrzeug mit umfangreicher Beladung, darunter Rettungsgeräte, Stromerzeuger und Stabilisierungssysteme.
SRFA-K Villach
Ein echtes Highlight ist das schwere Rüstfahrzeug mit Kran für die Feuerwehr Villach. Aufgebaut auf einem Volvo FMX 540, ist es für komplexe technische Einsätze ausgelegt. Der mächtige Palfinger-Kran am Heck ermöglicht präzise Hebe- und Bergearbeiten, unterstützt durch mehrere Seilwinden mit unterschiedlichen Zugkräften. Hydraulische Stützen sorgen für Stabilität, selbst bei schwierigen Bodenverhältnissen. Mit dieser Kombination aus Kraft und Präzision wird das Fahrzeug zum unverzichtbaren Werkzeug bei schweren Verkehrsunfällen, Bergungen und Katastropheneinsätzen.
ULF Dormagen
Das Universallöschfahrzeug für die Werkfeuerwehr Currenta im Chempark Dormagen zeigt eindrucksvoll, wie spezialisiert moderne Industriefeuerwehrtechnik sein kann. Eine 6.000-Liter-Pumpe, kombiniert mit großen Tanks für Wasser, Schaummittel und Pulverlöschmittel, ermöglicht die Bekämpfung unterschiedlichster Brandklassen. Das Fahrzeug ist mit umfangreicher Ausrüstung ausgestattet, darunter Lüfter, Stromerzeuger, Schutzanzüge und medizinisches Equipment. Moderne Assistenzsysteme wie ein fernsteuerbarer Monitor und ein 360°-Kamerasystem unterstützen die Einsatzkräfte zusätzlich.
Teleskopmastbühne BASF
Die Teleskopmastbühne der Werkfeuerwehr BASF Coatings Münster setzt neue Maßstäbe im Bereich Höhenrettung und Brandbekämpfung. Mit einem 45 Meter langen Mast von Bronto Skylift erreicht das Fahrzeug große Höhen und bietet gleichzeitig Schutz für die Einsatzkräfte. Integrierte Sprühdüsen im Korb können Hitze reduzieren und Schadstoffe binden. Zusätzlich verfügt das Fahrzeug über leistungsstarke Löschtechnik und umfangreiche Ausrüstung für Rettungs- und technische Einsätze.
Rosenbauer: Größter Auftritt der Messe
Auch Branchenprimus Rosenbauer hat bereits erste Einblicke in seinen Messeauftritt gegeben – und diese fallen entsprechend groß aus. Mit einer Gesamtfläche von über 3.700 Quadratmetern zählt der Stand zu den größten der gesamten Messe. Mehr als 16 Fahrzeuge und rund 600 Exponate werden dort präsentiert, ergänzt durch Themenbereiche wie Waldbrand, Industrie, Flughafenlösungen oder digitale Einsatzunterstützung. Neben klassischen Produktpräsentationen setzt Rosenbauer verstärkt auf erlebnisorientierte Formate. Live-Demonstrationen, Simulatoren und interaktive Bereiche sollen den Besuchern die Technik nicht nur zeigen, sondern erlebbar machen.
Innovationen im Fokus
Zu den angekündigten Highlights zählt eine gemeinsam mit MAN entwickelte Gelenkdrehleiter, die speziell für urbane Einsatzszenarien konzipiert wurde. Hohe Reichweite, präzise Steuerung und flexible Einsatzmöglichkeiten stehen dabei im Mittelpunkt.
Auch im Bereich der Ausrüstung setzt Rosenbauer auf Weiterentwicklung. Neue akkubetriebene Beleuchtungssysteme, moderne Wärmebildtechnik und leistungsstarke Lüftungslösungen sollen den Einsatzkräften mehr Unabhängigkeit und Effizienz bieten. Ergänzt wird das Portfolio durch neue Entwicklungen im Bereich der persönlichen Schutzausrüstung – darunter leichte, aber widerstandsfähige Einsatzstiefel sowie speziell für die Innenbrandbekämpfung optimierte Schutzbekleidung.
Mehr als Technik: Die Feuerwehr-Community
Neben aller Technik rückt die Interschutz 2026 auch die Feuerwehrgemeinschaft selbst stärker in den Mittelpunkt. Rosenbauer etwa plant eine eigene Fanzone mit internationalem Charakter, inklusive Coffee Truck aus den USA und einem eigenen Fanshop. Damit wird deutlich: Die Messe ist nicht nur ein Branchentreffen, sondern auch ein Treffpunkt für Feuerwehrleute aus aller Welt.
Eine Messe mit Signalwirkung
Schon jetzt zeichnet sich ab, dass die Interschutz 2026 an die Erfolge vergangener Jahre anknüpfen – und diese möglicherweise sogar übertreffen wird. Viele Hersteller kehren nach herausfordernden Jahren zurück auf die große Bühne, gleichzeitig drängen neue Anbieter auf den Markt. Das Ergebnis: mehr Vielfalt, mehr Innovation und mehr Wettbewerb. Für die Besucher bedeutet das vor allem eines – einen einzigartigen Blick auf das, was Feuerwehrtechnik heute kann und morgen leisten wird.
Bericht & Fotos:
Michael Maicovski












