Fachberichte·30. Oktober 2026·Ausgabe 7-8/2026

Elektrische Antriebe, leistungsstarke Spezialfahrzeuge und intelligente Steuerungssysteme prägen den Feuerwehrfahrzeugbau von morgen. BLAULICHT beleuchtet innovative Fahrzeugkonzepte und ihre Bedeutung für den Einsatzalltag.

Die Anforderungen an moderne Feuerwehrfahrzeuge sind so vielfältig wie nie zuvor. Ausgedehnte Wald- und Vegetationsbrände, extreme Wetterereignisse, komplexe technische Hilfeleistungen und steigende Anforderungen an den Zivil- und Katastrophenschutz verlangen nach leistungsfähigen, flexiblen und wirtschaftlichen Fahrzeuglösungen. Dabei rücken neben Motorleistung, Löschwasservolumen und Geländegängigkeit zunehmend andere Faktoren in den Mittelpunkt: alternative Antriebstechnologien, intelligente Assistenzsysteme, ergonomische Bedienkonzepte und modular aufgebaute Fahrzeugtechnik. Gleichzeitig stehen die Hersteller vor der Herausforderung, steigende Produktionskosten, lange Lieferzeiten und hohe technische Anforderungen miteinander in Einklang zu bringen. Wie unterschiedlich die Antworten auf diese Herausforderungen ausfallen können, zeigen die aktuellen Entwicklungen von Rosenbauer, Lentner, EMPL und Magirus. Vier Hersteller, vier unterschiedliche Schwerpunkte – und zahlreiche technische Lösungen, die das Potenzial haben, den Feuerwehralltag nachhaltig zu verändern.

Rosenbauer: Elektrisch, geländegängig und leistungsstark. Der österreichische Feuerwehrtechnikhersteller Rosenbauer treibt die Entwicklung alternativer Antriebskonzepte konsequent voran. Gleichzeitig entstehen leistungsfähige Spezialfahrzeuge für die besonderen Anforderungen der Waldbrandbekämpfung und des Flughafenbrandschutzes.

Elektrische Drehleiter unter 16 Tonnen. Mit der L32A-XS Electric erweitert Rosenbauer sein Portfolio um eine vollelektrische Drehleiter auf einem MAN eTGM 4×2-Fahrgestell. Das Fahrzeug kombiniert die bewährte Rosenbauer-Leitertechnik mit einem lokal emissionsfreien und besonders geräuscharmen Antrieb. Eine technische Besonderheit ist das vergleichsweise geringe Fahrzeuggewicht. Mit weniger als 16 Tonnen Gesamtgewicht und einer Hinterachslast von unter zehn Tonnen unterschreitet die elektrische Drehleiter wichtige Gewichtsgrenzen für Feuerwehraufstellflächen. Damit ergeben sich zusätzliche Einsatzmöglichkeiten, insbesondere in dicht verbauten urbanen Bereichen. Neben der Reduktion von Abgas- und Geräuschemissionen eröffnet das elektrische Antriebskonzept neue Perspektiven für den kommunalen Feuerwehrbetrieb.

Panther Electric: 1.200 PS für den Flughafenbrandschutz. Auch bei den Flughafenlöschfahrzeugen setzt Rosenbauer auf elektrische Antriebstechnologie. Der Panther Electric 6×6, der für den Flughafen Christchurch in Neuseeland entwickelt wurde, erreicht im Boost-Modus eine Leistung von bis zu 1.200 PS. Das hohe Drehmoment des elektrischen Antriebs ermöglicht eine besonders dynamische Beschleunigung – ein entscheidender Faktor bei zeitkritischen Einsätzen auf weitläufigen Flughafengeländen. Die Löschtechnik ist auf anspruchsvolle Einsatzszenarien ausgelegt. Mitgeführt werden 11.400 Liter Wasser, 1.370 Liter Schaummittel sowie eine Pulverlöschanlage. Ein Stinger-Löscharm mit integriertem Werfersystem erweitert die Möglichkeiten bei der Brandbekämpfung an Luftfahrzeugen. Nach Herstellerangaben sind Antriebssystem und Energiespeicher so dimensioniert, dass ein vollständiger Löschangriff durchgeführt werden kann und anschließend noch ausreichende Energiereserven zur Verfügung stehen.

Waldbrandbekämpfung auf Tatra-Basis. Für Einsätze abseits befestigter Straßen hat Rosenbauer eine neue Generation seines Waldbrandlöschfahrzeugs auf dem Tatra Force T815-7 Gen 3 entwickelt. Das hochgeländegängige 4×4-Fahrzeug wird von einem 395 PS starken Motor angetrieben und verfügt über einen 4.000-Liter-Wassertank. Eine leistungsfähige Normaldruckpumpe mit Pump-and-Roll-Funktion ermöglicht die Wasserabgabe während der Fahrt. Zur feuerwehrtechnischen Ausstattung zählen ein fernsteuerbarer Frontwerfer, eine Schnellangriffseinrichtung sowie Selbstschutzdüsen für Fahrzeug und Besatzung. Diese Einrichtungen sind insbesondere bei dynamischen Vegetationsbränden von Bedeutung, wenn sich die Einsatzbedingungen innerhalb kürzester Zeit verändern können. Das Fahrzeugkonzept verbindet Geländegängigkeit, Löschleistung und Eigenschutz zu einer auf anspruchsvolle Waldbrandeinsätze abgestimmten Einheit.

Lentner: Effiziente Pumpentechnik und maßgeschneiderte Lösungen. Der deutsche Feuerwehrfahrzeughersteller Lentner aus Hohenlinden bei München setzt auf individuell konfigurierte Einsatzfahrzeuge, innovative Pumpentechnik und praxisorientierte Detaillösungen. Auch auf dem österreichischen Markt gewinnt das Unternehmen wieder an Bedeutung. Bereits in der Vergangenheit lieferte Lentner mehrere Spezialfahrzeuge nach Kärnten, darunter ein Kommandofahrzeug, ein Wasserdienstfahrzeug sowie das RTLF-A 6500 Tunnel für die Hauptfeuerwache Villach. Ein weiteres Projekt ist das für 2027 vorgesehene HLF4 der FF Kalsdorf bei Graz.

Multifunktionales Großlöschfahrzeug. Wie sich unterschiedliche Einsatzanforderungen in einem Fahrzeug vereinen lassen, zeigt das Großlöschfahrzeug mit Bergeausrüstung (GLF-B) der FF Hochburg-Ach. Das auf einem MAN TGM 13.290 4×4 aufgebaute Fahrzeug kombiniert die Löschwasserförderung über lange Wegstrecken mit klassischer Brandbekämpfung und technischer Hilfeleistung. Gerade in ländlichen Einsatzgebieten, wo größere Entfernungen zur nächsten Löschwasserversorgung und unterschiedliche Einsatzszenarien zum Feuerwehralltag gehören, bieten solche multifunktionalen Fahrzeugkonzepte erhebliche Vorteile.

Neue Pumpengeneration mit höherer Effizienz. Eine wesentliche technische Entwicklung ist die vollständig in Deutschland konstruierte Lentner-Einbaupumpe. Ziel der Neuentwicklung ist es, bei reduziertem Energiebedarf höhere Förderleistungen zu erzielen. Ein größer dimensioniertes Laufrad ermöglicht eine effizientere Wasserförderung bei geringerer Drehzahl. Gleichzeitig wurden zahlreiche konstruktive Details überarbeitet, um Wartungs- und Servicearbeiten zu vereinfachen. Die Optimierung der Pumpentechnik ist Teil eines umfassenderen Entwicklungskonzepts. Dazu zählen neue Bedien- und Anzeigesysteme mit Touch-Funktion, ein überarbeiteter Mannschaftsraumhimmel sowie eine variable Umfeldbeleuchtung. Damit rücken neben der reinen Leistungsfähigkeit zunehmend auch Bedienkomfort, Ergonomie und Wartungsfreundlichkeit in den Mittelpunkt.

Wirtschaftlichkeit als Entwicklungsfaktor. Steigende Fahrzeugpreise und lange Lieferzeiten stellen insbesondere kleinere Feuerwehren vor finanzielle und organisatorische Herausforderungen. Lentner beschäftigt sich daher auch mit alternativen Beschaffungskonzepten, die eine wirtschaftlichere und raschere Bereitstellung von Einsatzfahrzeugen ermöglichen sollen. Bei möglichen Umbauten bestehender Fahrzeuge müssen allerdings die geltenden Normen, vorhandenen Gewichtsreserven und sicherheitstechnischen Anforderungen berücksichtigt werden. Wirtschaftlichkeit darf schließlich nicht zulasten der Einsatzsicherheit gehen.

EMPL: Spezialfahrzeuge für extreme Anforderungen. Wenn herkömmliche Feuerwehrfahrzeuge an ihre technischen Grenzen stoßen, sind maßgeschneiderte Sonderlösungen gefragt. Der Tiroler Fahrzeugbauer EMPL verfügt über umfassende Erfahrung in der Entwicklung komplexer Spezialfahrzeuge für Feuerwehr, Industrie und Katastrophenschutz. Zwei aktuelle Fahrzeugkonzepte verdeutlichen die Bandbreite dieser Entwicklung: ein schweres Rüstfahrzeug mit Kran für anspruchsvolle Bergungseinsätze und eine leistungsstarke Teleskopmastbühne für den industriellen Brandschutz.

SRFK Villach: Kraftpaket für schwere Bergungen. Mit dem neuen Schweren Rüstfahrzeug Kran (SRFK) erhält die Hauptfeuerwache Villach ein hochspezialisiertes Einsatzfahrzeug für komplexe technische Hilfeleistungen und Schwerlastbergungen. Als Basis dient ein Volvo FMX 540 mit 8×6-Antrieb. Herzstück des Aufbaus ist ein Palfinger-Ladekran der High-Performance-Klasse mit achtfachem Ausschub und integrierter Seilwinde. Mehrere hydraulische Seilwinden, zusätzliche Bergestützen und umfangreiche Abstützeinrichtungen erweitern die Einsatzmöglichkeiten erheblich. Das Zusammenspiel von Kran- und Windentechnik ermöglicht anspruchsvolle Hebe-, Berge- und Sicherungsarbeiten, wie sie insbesondere bei schweren Verkehrsunfällen, Fahrzeugbergungen und komplexen technischen Schadenslagen erforderlich sind. Bemerkenswert ist die Kombination mit einer umfangreichen feuerwehrtechnischen Ausstattung. Neben der Bergetechnik verfügt das SRFK über eine Einbaupumpe, einen Löschwassertank, einen Schaummitteltank und eine Pulverlöschanlage. Damit vereint das Fahrzeug schwere technische Hilfeleistung und Brandbekämpfung in einem einzigen, vielseitig einsetzbaren Spezialfahrzeug.

42 Meter Arbeitshöhe für den Industrieeinsatz. Ein weiteres Beispiel für die technische Spezialisierung ist die Teleskopmastbühne TMB 42 der Werkfeuerwehr LyondellBasell. Das auf einem Scania-Fahrgestell aufgebaute Fahrzeug wurde von EMPL für die besonderen Anforderungen industrieller Einsatzbereiche entwickelt. Mit einer Arbeitshöhe von 42 Metern ermöglicht die Teleskopmastbühne sowohl Rettungseinsätze als auch Löschangriffe aus großer Höhe. Die Rettungsplattform verfügt über eine Krankentragenhalterung, eine Personenwinde und Atemluftanschlüsse. Besonders leistungsfähig ist die integrierte Löschtechnik. Eine Pumpe mit einer Förderleistung von 10.000 Litern pro Minute, ein 1.500-Liter-Schaummitteltank und ein Werfer mit bis zu 3.500 Litern pro Minute ermöglichen intensive Löschangriffe. Ein 360-Grad-Kamerasystem unterstützt die Übersicht rund um das Fahrzeug. Die Steuerung erfolgt über das von EMPL entwickelte Smart-System, das die unterschiedlichen Funktionen in einer zentralen Bedienoberfläche zusammenführt. Das Ergebnis ist ein Spezialfahrzeug, das Höhenrettung, industrielle Brandbekämpfung und moderne Steuerungstechnik miteinander verbindet.

Magirus: Neue Fahrzeuggeneration und intelligente Technik. Beim traditionsreichen Feuerwehrfahrzeughersteller Magirus stehen die Zeichen auf technologische Neuausrichtung. Nach der Übernahme durch die Beteiligungsgesellschaft Mutares und der Trennung vom Iveco-Konzern verfolgt das Unternehmen eine neue Produkt- und Fertigungsstrategie. Für Österreich kommt dieser Entwicklung besondere Bedeutung zu. Mit den Standorten Premstätten und Radfeld verfügt Magirus über wichtige Produktions- und Kompetenzzentren. Für Premstätten wurde eine Standortgarantie abgegeben. Darüber hinaus wird ein Ausbau der Produktionskapazitäten geprüft. Mittelfristig soll die jährliche Fertigungskapazität von rund 350 auf 500 Fahrzeuge steigen.

Neue Generation statt Core und Flex. Die 2024 eingeführten Produktlinien Core und Flex werden in ihrer bisherigen Form nicht weitergeführt. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen stattdessen in eine neue Fahrzeuggeneration einfließen. Im Mittelpunkt der Entwicklung stehen Qualität, Zuverlässigkeit, Wartungsfreundlichkeit und Wirtschaftlichkeit. Gleichzeitig sollen kürzere Lieferzeiten und eine stärkere Ausrichtung auf die individuellen Anforderungen der Feuerwehren erreicht werden. Zusätzliche technische Möglichkeiten eröffnet die Integration des österreichischen Spezialfahrzeugherstellers Achleitner, der 2025 von Magirus übernommen wurde. Insbesondere im Bereich hochgeländegängiger und geschützter Sonderfahrzeuge entstehen dadurch neue Entwicklungsperspektiven.

Intelligente Drehleitersteuerung. Ein technologischer Schwerpunkt liegt auf der Weiterentwicklung der Drehleitertechnik. Die Gelenkdrehleiter M42L-AS SmartControl verbindet eine große Einsatzreichweite mit der neuesten Generation der Magirus-Bedientechnologie. Moderne Steuerungssysteme sollen die Bedienung komplexer Leiterbewegungen erleichtern und die Einsatzkräfte bei anspruchsvollen Rettungs- und Löschaufgaben unterstützen. Die zunehmende Digitalisierung der Fahrzeugsteuerung verdeutlicht einen wesentlichen Entwicklungstrend: Leistungsfähige Mechanik wird immer stärker mit intelligenter Elektronik und anwenderorientierten Bedienkonzepten kombiniert.

Dragon X6 Neo für Flughafen und Industrie. Mit dem Dragon X6 Neo verfügt Magirus über ein leistungsstarkes Flugfeldlöschfahrzeug, das auf die besonderen Anforderungen des Flughafen- und Industriebrandschutzes ausgelegt ist. Solche Fahrzeugkonzepte müssen große Löschmittelmengen, hohe Mobilität und eine rasche Einsatzbereitschaft miteinander verbinden. Gerade bei Flugzeugbränden und industriellen Großschadenslagen sind leistungsfähige Löschsysteme und eine zuverlässige Fahrzeugtechnik entscheidend.

Geschützte Mobilität für besondere Einsatzlagen. Eine weitere Entwicklungsrichtung betrifft Fahrzeuge für Einsätze unter erhöhten Sicherheitsanforderungen. Der HMV Survivor des Österreichischen Bundesheeres ist für besonders anspruchsvolle Einsatzbedingungen konzipiert. Das hochgeländegängige Spezialfahrzeug bietet Schutz gegen ballistische Bedrohungen, Minen, improvisierte Sprengsätze sowie chemische, biologische, radiologische und nukleare Gefahren (CBRN). Die eigenständige Entwicklung von Fahrgestell, Fahrzeugelektronik und Assistenzsystemen ermöglicht eine kontinuierliche technische Weiterentwicklung. Dazu zählen auch Perspektiven für zukünftige Drive-by-Wire-Anwendungen, bei denen Fahrzeugfunktionen elektronisch gesteuert werden. Mit solchen Lösungen erweitert sich das Einsatzspektrum moderner Sonderfahrzeuge zunehmend in Richtung Schutz kritischer Infrastruktur, Zivil- und Katastrophenschutz.

Fazit: Mehr als nur PS und Löschwasser. Der Feuerwehrfahrzeugbau befindet sich in einer Phase tiefgreifender technologischer Veränderungen. Während Rosenbauer elektrische Antriebskonzepte und spezialisierte Waldbrandtechnik vorantreibt, konzentriert sich Lentner auf effiziente Pumpensysteme, durchdachte Aufbaulösungen und wirtschaftliche Fahrzeugkonzepte. EMPL zeigt mit komplexen Sonderfahrzeugen, wie sich schwere Bergungstechnik, leistungsfähige Löschsysteme und moderne Steuerungstechnik miteinander verbinden lassen. Magirus wiederum setzt auf eine neue Fahrzeuggeneration, intelligente Bedienkonzepte und die Erweiterung seiner Kompetenzen im Spezialfahrzeugbau. So unterschiedlich die technischen Ansätze auch sind, verfolgen sie ein gemeinsames Ziel: Einsatzfahrzeuge leistungsfähiger, sicherer, wirtschaftlicher und vielseitiger zu machen. Denn entscheidend ist nicht allein, welche Technik ein Fahrzeug an Bord hat, sondern wie zuverlässig und effizient sie die Einsatzkräfte im Ernstfall unterstützt.