Allradpower aus Tradition
Das HLF 1-LB auf Unimog U 327 L vereint hohe Geländegängigkeit mit moderner Rettungs-, Berge- und Löschtechnik für anspruchsvolle Einsätze.

Auslöser für die Gründung war der Brand der schindelgedeckten Draxlerkeusche. Auf Anregung des Volksschuldirektors Raimund Kristoferitsch wurde unter Wehrhauptmann Nikolaus List eine Feuerwehr mit zunächst zehn Mann ins Leben gerufen. Zeitgleich entstand auf dem Grund des Gastwirts Albert ein hölzernes Spritzenhaus, ergänzt durch zwei Wasserbassins zur Löschwasserversorgung. Schon früh zeigte sich, dass das hügelige und weitläufige Gemeindegebiet besondere Anforderungen an Technik und Fahrzeuge stellt. 1928 wurde die erste Motorspritze angeschafft, 1948 folgte mit einem Willys Jeep das erste motorisierte Einsatzfahrzeug. In den folgenden Jahrzehnten setzte die Feuerwehr konsequent auf geländegängige Fahrzeuge – vom Land Rover über einen Forward Control bis hin zu Tanklöschfahrzeugen und schließlich einem Unimog 1300 L, der ab 1986 als LF-B im Dienst stand. Heute zählt die FF Strallegg zum Abschnitt 3 Oberes Feistritztal des BFV Weiz. Mit 145 Mitgliedern – davon 111 Aktive – ist sie eine der personell starken Wehren der Region. Allein im Jahr 2025 wurden 141 Einsätze bewältigt, überwiegend technischer Natur. Mehr als 10.500 Gesamtstunden unterstreichen die Bedeutung der Feuerwehr für die Sicherheit im rund 42 Quadratkilometer großen Gemeindegebiet.
Einsatzgebiet Strallegg
• Gemeindegebiet: über 42 km2
• Geprägt von Wald-, Wiesen- und Landwirtschaft
• Viele schwer erreichbare Objekte
• Häufig technische Einsätze
Ein Einsatzgebiet, das Allrad verlangt.
Die Topografie rund um Strallegg ist fordernd: Zahlreiche landwirtschaftliche Betriebe liegen abseits befestigter Straßen, erreichbar nur über steile, schmale Zufahrten. Große Waldflächen, Wiesen und unwegsames Gelände prägen das Bild ebenso wie winterliche Bedingungen mit Eis und Schnee. Über Jahrzehnte hinweg war der Unimog 1300 L ein verlässlicher Begleiter im Einsatzalltag – doch das Baujahr 1986 machte sich zunehmend bemerkbar. Im Feuerwehrausschuss war man sich daher rasch einig, dass ein Ersatz nur wieder ein hochgeländegängiges Fahrzeug sein kann. Während andere Wehren auf leichtere Varianten setzten, entschied sich Strallegg bewusst für den stärkeren Unimog U 327 L mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 14 Tonnen. Ein Fahrzeug, das nicht nur die bisherigen Anforderungen erfüllt, sondern deutliche Leistungsreserven bietet.
Das Fahrgestell.
Als Basis dient ein Mercedes-Benz Unimog U 327 L mit 200 kW (272 PS) Motorleistung und 7.698 ccm Hubraum. Das Fahrgestell bringt ein Eigengewicht von 9.880 Kilogramm auf die Waage und erlaubt bei einem technisch zulässigen Gesamtgewicht von 14.000 Kilogramm eine Nutzlast von über vier Tonnen. Mit einer Länge von 7,20 Metern, 2,38 Metern Breite und 3,35 Metern Höhe bleibt das Fahrzeug trotz seiner Robustheit gut manövrierbar. Der Aufbau stammt von der Firma Baltasar Nusser. Das Einsatzgewicht inklusive Mannschaft und Beladung beträgt rund 11.360 Kilogramm – ein Wert, der zeigt, wie ausgewogen das Fahrzeug konzipiert wurde. Im Zuge der Reportage konnte sich die Redaktion selbst von der beeindruckenden Geländegängigkeit überzeugen: Auch auf vereisten Wegen und verschneiten Hängen bleibt der Unimog souverän beherrschbar.
Warum ein Unimog?
• Hohe Bodenfreiheit für unwegsames Gelände
• Allradantrieb mit permanentem Kraftschluss
• Bewährt im alpinen Einsatz seit Jahrzehnten
• Ideal für schmale, steile Zufahrtswege
Erstausrücker bei technischen Einsätzen.
Das neue HLF 1-LB ist in Strallegg das erste Fahrzeug bei technischen Einsätzen. Entsprechend umfangreich und praxisnah ist die Beladung ausgelegt. Zur hydraulischen Rettung stehen Schere, Spreizer und Rettungszylinder bereit, ergänzt durch Korbtrage, Schaufeltrage, Spineboard und Vakuummatratze. Für Menschenrettungen aus Höhen oder Tiefen ist ebenso vorgesorgt wie für Absturzsicherung und technische Hilfeleistungen nach Verkehrsunfällen. Ein 14-kVA-Notstromerzeuger versorgt die Einsatzstelle autark mit Energie, während eine Tauchpumpe bei Überflutungen zum Einsatz kommt. Für Forst- und Sturmeinsätze führt das Fahrzeug eine Motorkettensäge inklusive vollständiger Schnittschutzausrüstung mit. Ergänzt wird das technische Arsenal durch Halligan-Tool, Hebekissensatz, Verteilertrommelsätze sowie eine Vielzahl moderner Makita-Akkugeräte, darunter leistungsstarke LED-Scheinwerfer zur Ausleuchtung der Einsatzstelle. Für zusätzliche Sicherheit im Straßenverkehr wurde eine Verkehrswarneinrichtung integriert. Eine 50-kN-Seilwinde der Marke Spulmat von PWT erweitert die Möglichkeiten bei Bergungen, Sicherungsarbeiten und Fahrzeugbergungen erheblich.
Kabine: Platz für Mannschaft und Sicherheit.
Die Mannschaftskabine ist für eine Besatzung von 1:8 ausgelegt und fungiert als mobile Einsatzzentrale. Neben Atemschutzmasken, Atemschutzgeräten und Reserveflaschen befinden sich Handfunkgeräte, Ladeeinrichtungen, Handlampen und Rettungsleinen an Bord. Auch ein Defibrillator, ein umfassender Sanitätsrucksack, Notrettungsset und eine Rettungsboa gehören zur Ausstattung. Damit ist die Mannschaft sowohl für technische als auch für medizinische Erstmaßnahmen bestens gerüstet.
Brandbekämpfung mit durchdachter Technik.
Auch wenn der Schwerpunkt des Fahrzeugs im technischen Bereich liegt, ist das HLF 1-LB für Brandeinsätze umfassend ausgestattet. Neben Druckschläuchen und wasserführenden Armaturen ist im Heck eine Tragkraftspritze Ziegler Ultra Power 4 (PFPN 10-1500 UP4) untergebracht. Diese kann ebenso wie das Notstromaggregat pneumatisch abgesenkt werden – ein Detail, das die Bedienung erheblich erleichtert und die körperliche Belastung der Mannschaft reduziert. Für den Atemschutzeinsatz stehen schwere Atemschutzgeräte Interspiro Incurve mit Spirocom Wireless zur Verfügung. Eine Wärmebildkamera Leader TIC 3.1 unterstützt die Personensuche und Brandbekämpfung bei Nullsicht. Ergänzt wird die Beladung durch eine Steckleiter sowie eine leistungsstarke Umfeldbeleuchtung und einen LED-Lichtmast, der für optimale Sichtverhältnisse an der Einsatzstelle sorgt.
Indienststellung und Finanzierung.
Am 28. September 2025 wurde das neue HLF 1-LB offiziell in Dienst gestellt. Für Kommandant ABI Christoph Klaftenegger ist das Fahrzeug ein entscheidender Schritt in Richtung Zukunftssicherheit: „Mit diesem Fahrzeug sind wir auch in Zukunft bestens für herausfordernde Einsätze im unwegsamen Gelände und im Straßenverkehr gerüstet.“ Er betont zudem die sinnvolle Ergänzung zum bestehenden TLF-A 4000, das primär für Brandeinsätze ausgelegt ist, sowie zum LKW-A und MTFA der Wehr. Die Finanzierung erfolgte über Förderungen des Landesfeuerwehrverbandes, Bedarfszuweisungsmittel des Landes Steiermark sowie durch eine Kostenaufteilung zwischen Feuerwehr und Gemeinde. Besonders hervorzuheben ist die große Spendenbereitschaft der Bevölkerung von Strallegg, die einen wesentlichen Teil des Feuerwehranteils mitgetragen hat – ein starkes Zeichen der Verbundenheit zwischen Wehr und Bevölkerung.
Bericht & Fotos:
Michael Maicovski













