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Entspannung und Gesunderhaltung

Durch die großen technischen Fortschritte ist unser Leben in mancher Hinsicht leichter geworden. In vielen Berufen sind die geistigen Anforderungen erheblich gestiegen, während die körperliche Kraftanstrengung auf ein Minimum gesunken ist. Das Erlebnis Sauna dient zur Entspannung und Gesunderhaltung auch für die Seele – und dies auch für die Feuerwehr.

Autor: Dr.Martin Arnold

Das Steinschwitzbad, in dem mittels erhitzter Steine geschwitzt wird, ist ein uraltes Kulturgut der Menschheit. Es reicht bis in die Steinzeit zurück. Man nimmt an, dass es sich mit den Völkern Ostasiens, wo erste Funde anzutreffen sind, über die Beringstraße nach Nord- und von dort nach Mittel- und Südamerika ausgebreitet hat. Denn man trifft diese Art des Bades sowohl bei den Eskimos in Alaska als auch bei den Indianern Nord-, Mittel- und Südamerikas. Andererseits wurde es von Ostasien mit den nach Westen ziehenden Völkerstämmen nach Innerasien bis zum Ural verbreitet. Schriftliche Zeugnisse gibt es bereits von vor zweieinhalbtausend Jahren. Von Kleinasien hat es seinen Weg in den ganzen Mittelmeerraum genommen. Auch die Finnen sollen vor etwa zweitausend Jahren aus ihrer asiatischen Urheimat nach Nordwesten in ihre heutigen Siedlungsgebiete gezogen sein und die Badegewohnheit mitgebracht haben. Bis in die Gegenwart haben sie die Badeart tradiert. Bei slawischen Volksstämmen ist dieses Schwitzbad ebenfalls früh anzutreffen. Sicher ist es von ihnen auch bis in die mitteleuropäischen Länder verbreitet worden: Die ältesten Zeugnisse der Badstube, die nach alten Holzschnitten und Stichen der heutigen Sauna mit ihrer Holzauskleidung und den aufsteigenden Bänken sowie dem Ofen gleicht, sind aus der Zeit der Merowinger (5. – 8. Jahrhundert) überliefert.

Abgleiten der Bademoral
Aus den meisten früheren und späteren mittelalterlichen Überlieferungen klingt die große Beliebtheit der saunaähnlichen Körper- und Gesundheitspflegestätte heraus, die im gesamten Volke, allen Ständen und Schichten, bestanden hat. Man fragt sich deshalb erstaunt, wie es dann möglich war, einen solchen Kulturbestandteil innerhalb von 100 Jahren, etwa von 1700 bis 1800, einfach aussterben zu lassen. Das Abgleiten der Bademoral beim gemeinschaftlichen Baden und die Übertragung ansteckender Krankheiten (Syphilis) werden allgemein als Gründe für den Untergang des Badewesens angegeben. Bei den öffentlichen Badstuben kam hinzu, dass durch das „Schröpfen", bei dem die Haut mit Schröpfmessern geritzt wird, viele Krankheitskeime durch die nicht desinfizierten Messer verbreitet wurden. Andererseits sind auch kirchliche Einflüsse nicht zu unterschätzen, da man aufgrund des Sittenverfalls in den Bädern das Nicht-Baden zum gottgefälligen Leben rechnete.

Röst- und Dörrstuben
Lediglich auf einigen Bauernhöfen haben sich Badehäuser nach Art der alten Badstuben noch länger erhalten, in denen dann aber auch nicht mehr gebadet wurde. Sie wurden lediglich als „Röst- und Dörrstuben“ für Malz (Bierbrauerei), Flachs (Brechelbäder) und Früchte benutzt. Alte Rauchstuben, also mit Heizstätten ohne Kamin, wo der Rauch des Holzfeuers irgendwie durch Ritzen, Luken oder die geöffnete Tür entweichen konnte, standen nur noch zum Fleischräuchern zur Verfügung (vgl. Der Deutsche Saunabund 2005). In Finnland fand das „erste“ Saunieren in Erdhügeln statt, um so keine unnotwendige Energie (Brennstoff) zu verschwenden. Außerdem dienten diese Kammern auch als Geburtsstätten.

Einführung der Sauna in die Öffentlichkeit
Bereits vor dem Jahr 1948, nach der sich die Saunabetriebe entwickelten, hat es eine Reihe von einzelnen Sauna-Anlagen gegeben. Viele öffentliche Saunabäder waren nämlich Bestandteil von selbstständigen Kuranstalten und Kurbädern, die aufgrund der Umstellungen im Gesundheitswesen in Existenznöte gerieten. Obwohl es zu Beginn der 90er Jahre noch einen Saunagründungsboom durch die jetzt zahlreich eröffneten Freizeitbäder gab, sank die Zahl der öffentlichen Saunabäder durch altersbedingte Geschäftsaufgaben und durch den sich verschärfenden Wettbewerb. Hinzu kommen die Saunaräume, die in Privathäuser eingebaut wurden. Finnland berichtet, dass man dort bei fünf Mio. Einwohnern mehr als 1,6 Mio. Saunas habe, die meisten auf dem Lande und bei den Ferienhäusern an den Tausenden von Seen. Um das Saunabaden als solches in Theorie und Praxis zu verstehen, wird im Folgenden der Versuch einer Definition vorgenommen.

Saunabaden – zwei Definitionen
1. Saunaraum
Der Saunaraum ist ein Raum aus Holz mit aufsteigenden Stufenbänken und mit dem durch einen typischerweise steingefüllten Saunaofen festgelegten Raumklima von etwa 80 bis 105 Grad Celsius ca. 100 cm über der obersten Bank sowie einer geringen Luftfeuchtigkeit, welche durch Aufgüsse kurzfristig erhöht werden kann.

2. Saunabad

Das Saunabad ist ein gesundheitsförderndes und entspannendes Heißluftbad, in dem Überwärmung und Abkühlung miteinander abwechseln. Dabei wird in einem Raum aus Holz, mit einem typischen Klima von etwa 80 bis 105 Grad Celsius ca. 100 cm über der obersten Bank, sowie einer geringen, durch Aufgüsse kurzfristig erhöhten Luftfeuchte, der ganze Körper mehrmalig erwärmt und anschließend durch Außenluft und kaltes Wasser abgekühlt. Diese beiden Definitionen wurden vom Vorstand des Deutschen Saunabundes in Zusammenarbeit mit der Internationalen Sauna-Gesellschaft (ISG), Helsinki, erarbeitet und während des 12. Internationalen Sauna-Kongresses 1999 in Bad Aachen im internationalen Rahmen abgestimmt und verbindlich verabschiedet (vgl. Deutscher Saunabund 2005)

Das Klima in der Sauna
Typisch für die Sauna ist das Klima im Saunaraum. Dadurch unterscheidet sie sich von anderen Schwitzbädern. Die Temperatur beträgt an der Raumdecke etwa 100 °C und fällt zum Boden hin (kühlere Luft ist schwerer) auf etwa 40 °C ab. In der Hauptbadezone (obere – mittlere Bank) im oberen Teil des Saunaraumes, die der Badende über die Stufenbänke erreicht, herrschen Lufttemperaturen von etwa 60 bis 90 Grad Celsius. Aber nicht nur die Luft ist oben heiß, sondern die Holzflächen von Wänden und Decke sind es auch. Die Saunadecke strahlt z.B. mit etwa 100 Grad Celsius Wärme in die Haut der Badenden ein (= Infrarotstrahlung). Eine hohe Wärmestrahlung geht ebenfalls von den heißen Oberflächen des Ofens aus. Insgesamt werden zwei Drittel der vom Badenden in der Sauna aufgenommenen Wärmemenge über die Wärmestrahlung übertragen. Die anderen Wege der Wärmeübertragung (Wärmeleitung, Wärmemitführung, Niederschlag) haben im Saunaraum dagegen geringere Bedeutung. Der Wasserdampf der Luft in der Sauna (Luftfeuchte) muss so gering sein, dass Wasser aus der (schwitzenden) Haut verdunsten kann, was eine Kühlung der Haut bewirkt. Man spricht deshalb bei der Sauna auch vom trockenen Heißluftbad.

Wasseraufguss
Dabei ist es beim Saunabaden üblich, dass durch einen Wasseraufguss auf die heißen Ofensteine die Feuchte schlagartig erhöht wird. Als Folge schlägt sich Wasser auf der Haut der Badenden nieder und erzeugt einen zusätzlichen Hitzereiz. Die Luftfeuchte geht danach in wenigen Minuten auf den ursprünglichen Wert zurück, da das Holz etwas Wasserdampf aufnimmt und vor allen Dingen die feuchte Luft über die Abluftöffnung entfernt wird. Zur Erreichung der vollständigen gesundheitlichen Wirkungen eines Saunabades ist ein Aufguss allerdings nicht notwendig.

Die Wirkungen der Sauna

Die Wirkungen sind für den ganzen Körper einschließlich der Psyche sehr umfassend. Sie betreffen den Wärme- und den Wasserhaushalt, den Herz- und Blutkreislauf, die Haut und die Nieren und nicht zuletzt das Nervensystem und die hormonellen Steuereinrichtungen des Körpers. Für eine gute Verträglichkeit des Saunabades sorgt der Umstand, dass die Wärmeeinwirkung nur nach Minuten (8 bis maximal 15 Minuten) bemessen wird, um alle Wirkungen zu erzielen, und dass auch die Abkühlreize kurzzeitig sind. Für eine Belastung des Organismus ist immer der Zeitfaktor entscheidend, weniger die Reizstärke. Beim regelgerechten Saunabaden sind Wärme- und Kältereize wohl dosiert für verträgliche, spürbare Wirkungen.

Die Bedeutung der Sauna
Die Bedeutung des Saunabades liegt in seinen Wirkungen für die Entspannung von Muskulatur und Psyche, für Erholung und Erlebnis, für ein gutes Aussehen (Hautzellenerneuerung) und für die Verbesserung der Abwehrlage gegenüber banalen Infekten sowie in der Übung wichtiger Körperfunktionen. Bei vielen Erkrankungen wird dem Saunabaden eine therapieunterstützende Wirkung (Adjuvans) zugeschrieben.

Saunabaden
Das Saunabad kann bei körperlichen Beschwerden hilfreich sein, jedoch gibt es einige Erkrankungen, bei denen es nicht empfohlen werden kann oder sogar untersagt werden muss. Anfänger mit gesundheitlichen Problemen sollten deshalb vor dem ersten Saunabad einen Arzt aufsuchen und sich beraten lassen. Bevor es richtig mit dem Saunabad losgeht, ist neben der organisatorischen Seite (zwei Handtücher, Badeschuhe, Bademantel, Pflegeprodukte etc.) die seelische Einstimmung ebenso wichtig. Dabei spielt Zeit eine maßgebliche Rolle. Auf keinen Fall sollte man die Sauna aufsuchen, wenn man unter Termindruck ist.

Die echt finnische Anwendung
Der Saunagänger soll sich in erster Linie wohlfühlen. So können regelmäßige Saunagänger zum Beispiel länger als empfohlen in der Kabine bleiben. Neulinge werden vielleicht bereits eher die Kabine verlassen wollen. Achten Sie beim Saunabaden auf Ihr persönliches Wohlbefinden. Bringen Sie ausreichend Zeit mit. Ein vollständiges Saunabad dauert etwa zwei bis drei Stunden. Es soll entspannen, die Anwendungen werden Ihren Körper eher belasten als entspannen. Auch sollten Sie nicht hungrig oder mit vollem Magen in die Sauna gehen.

  • Reinigen Sie sich zunächst unter der Dusche und trocknen Sie sich danach ab, denn trockene Haut schwitzt schneller.
  • In der Sauna legen Sie Ihr Liegetuch unter den ganzen Körper. Der Aufenthalt sollte kurz, die Wirkung aber intensiv sein. Schwitzen Sie deshalb auf der mittleren oder oberen Bank. Sieben bis zwölf Minuten reichen dabei völlig. Verlassen Sie sich vor allem auf Ihr Gefühl. Die letzten zwei Minuten sollten Sie sich aufsetzen, um den Kreislauf an die aufrechte Haltung zu gewöhnen. In Finnland regt man seinen Kreislauf noch zusätzlich mit einer „Wichta“ – getrocknetes Birkenreisig – an. Außerdem soll auch die Haut dadurch besser durchblutet werden. Diese Anwendung ist aber nur für „eingefleischte“ Saunafans zu empfehlen!
  • Gehen Sie nicht sofort unter die Dusche oder ins Tauchbecken. Kühlen Sie sich erst an der frischen Luft ab, der Körper benötigt jetzt Sauerstoff. Erst danach mit einem Wasserschlauch abgießen oder unter der Schwallbrause abkühlen. Wählen Sie eine Ihnen angenehme Temperatur, nie zu kalt. Falls Sie das Tauchbecken benutzen, denken Sie vorher daran, dass der Schweiß abgespült sein soll. Nochmalige Kaltwasseranwendungen trainieren besonders intensiv die Blutgefäße und erhöhen die Widerstandsfähigkeit Ihres Körpers.
  • Im Anschluss daran empfiehlt sich eine kleine Ruhepause zur Förderung der Erholung.
  • Während des Saunabades sollten Sie besser nichts trinken, da sonst der Effekt des Entschlackens weitgehend unterbleibt. Die Nutzung eines Solariums stört dagegen nicht die Wirkung der Sauna. Da das Saunabaden mit den vielen Wasseranwendungen zu einer Verminderung der Hornschicht führt und dadurch die Lichtempfindlichkeit insbesondere bei hellhäutigen Menschen erhöht ist, sollte das Solarium am besten vor den Saunagängen genutzt werden.
  • Weitere Saunagänge führen Sie wie den ersten durch, wobei drei Saunagänge hintereinander zum Erreichen der gewünschten gesundheitlichen Ziele ausreichen. Weitere Saunagänge führen nicht mehr zu einer Steigerung der Saunawirkungen.
  • Ein Saunabad dient besonders der körperlichen Erholung und psychischen Entspannung. Um die Wirkung der Sauna beizubehalten und um ungünstige Kreislaufreaktionen zu vermeiden, sollte deshalb nach der Sauna auf sportliche Betätigungen verzichtet werden.
  • Eine Massage dagegen kann zwischen den Saunagängen oder im Anschluss an die Sauna die entspannende Wirkung noch verstärken. In zukünftigen Rüsthäusern darf somit eine Saunaeinrichtung nicht fehlen!

Lesetipp
„Alles über Saunabaden“ von Dr. med. I. Fritsche, überarbeitete Auflage 1997, Sauna-Matti Verlag (Verlag des Deutschen Saunabundes) „Wie neugeboren durch Sauna“ von Dr. med. Karl M. Kirch, überarbeitete Ausgabe 1991, GU-Verlag „Die finnische Sauna“ von Pekka Tommila, mit Unterstützung von Wolfgang Schreiber sen., deutsche Erstauflage 1988, Bauverlag

Foto: iStock/Ridofranz