KAPSTADT

TAGELANGER KAMPF GEGEN HORROFEUER

Zahlreiche historische Gebäude wurden beim Großbrand in der südafrikanischen Touristenmetropole zerstört. Der Brand ging vom Wahrzeichen Kapstadts aus, dem Tafelberg. Dieser erhebt sich zwischen der Meeresküste und dem Stadtteil Newlands, in dem auch die Universität und zahlreiche weitere historische Gebäude angesiedelt sind. Der Tafelberg ist ein beliebtes Ausflugsziel für Einheimische und Touristen. Er steht unter Naturschutz. Eine Gondelbahn führt auf den Berg.

Autor: EBR Christof Oswald

Bereits am Sonntag, dem 18. April, begann sich am Tafelbergmassiv, an den Flanken des Devil’s Peak, ein Waldbrand auszubreiten. Bereits an diesem Sonntag brannten mehrere Hektar Flächen lichterloh. Unerbittlich fraß sich das Feuer – trotz aller Abwehraktionen der Feuerwehrkräfte – in Richtung Stadtteil Newlands. Starke Rauchentwicklung hatte den Einsatz von Hubschraubern erschwert, etwa 200 Feuerwehrleute waren zu diesem Zeitpunkt im Einsatz. Im Laufe des Nachmittags hatte ein Feuersturm am Fuß des Tafelbergs bereits auf die renommierte Universität der Stadt, die University of Cape Town (UCT), übergegriffen und mehrere Gebäude, darunter eine Bibliothek mit einmaligen historischen Schätzen, zerstört.

Schnell brennendes Pinienholz fachte das Feuer an
Der Ausbruch vom Sonntag sei durch starke Winde und schnell brennendes Pinienholz weiter angefacht worden und außer Kontrolle geraten, hieß es von offizieller Seite der Stadt Kapstadt.

Evakuierung
Vorsorglich mussten rund 4.000 Studierende ihre Wohnheime verlassen. An die zweihundert Feuerwehrleute und drei Hubschrauber kamen zum Einsatz. Dennoch gelang es den Feuerwehrkräften nicht, den Großbrand unter Kontrolle zu bringen. Am Montag breitete sich das Feuer in Richtung nahegelegener Wohnsiedlungen aus. Hunderte Familien mussten evakuiert werden. Im Stadtteil Zonnebloem wurden mehrere Schulen geräumt. „Überall war Asche, überall Rauch“, sagte eine Schulleiterin den Reportern vor Ort. Viele Eltern konnten ihre Kinder nur unter Mühen abholen, da zahlreiche Straßen gesperrt waren. Eine große Stadtautobahn musste ebenfalls gesperrt werden. Für diejenigen Bewohner, die ihre Häuser und Unterkünfte verlassen mussten, gab es große Hilfsbereitschaft. Restaurants boten den Studenten kostenlose Abendessen an, Tausende Mahlzeiten wurden gespendet.

Das Feuer fraß sich vom Tafelberg entlang der Abhänge in Richtung Stadtteil Newlands herab

Starker Wind
Weil der Wind im Lauf des Montags immer stärker wurde, konnten an diesem Tag auch keine Hubschrauber mehr eingesetzt werden. Erst am Dienstag konnten die Lösch-Heilkopter den Einsatz gegen die Flammen wieder aufnehmen. Die Brandbekämpfung konzentrierte sich nach Angaben der Rettungskräfte auf einen Bereich nahe der Seilbahn-Station.

Südafrikas Geschichte verbrannt
Das ganze Ausmaß des Schadens, den das Feuer in der fast 200 Jahre alten Kapstädter Universität angerichtet hat, steht derzeit noch nicht fest. Sicher ist lediglich, dass drei alte Universitätsgebäude beschädigt bzw. zerstört wurden, darunter der Leseraum der historischen „Jagger-Bibliothek“, der erst in den vergangenen Jahren aufwendig renoviert worden war. Etwa 85.000 Bücher und Zeitschriften, Manuskripte, Nachlässe und Drucke wurden hier verwahrt. Darunter seltene Wörterbücher in isiXhosa, einer der elf offiziellen Sprachen Südafrikas. Viele Schriften sind wohl für immer verloren. Allein der Schaden am historischen Büchereigebäude wird auf einen dreistelligen Millionenbetrag geschätzt. In dem Gebäude ist außerdem die „Africa Studies Collection“ der Hochschule untergebracht, die einzigartige Dokumente, alte Bücher sowie Filmaufnahmen enthält. Glücklicherweise hatten sich die eisernen Rollläden, die erst kürzlich zum Feuerschutz eingebaut worden waren, automatisch geschlossen, teilte die Bibliotheksdirektorin der Hochschule über Twitter mit: „Auf diese Weise wurden einige wichtige Schätze vermutlich gerettet.“ Dennoch sei vom Verlust zahlreicher wichtiger Sammlungen auszugehen. Der wahre Schaden könne erst ermittelt werden, wenn das Gebäude abgesichert sei. Die Uni-Mitarbeiter können es nicht fassen, dass so viele wertvolle Dokumente zur afrikanischen Geschichte, die hier gelagert waren, unwiederbringlich zerstört sein sollen. „Wir können die Bibliothek wieder aufbauen, aber die Geschichte bekommen wir nicht zurück. Das ist das Schlimmste: Die Geschichte ist einfach verbrannt.“

Weitere Zerstörungen
Zerstört wurden leider auch Südafrikas älteste Windmühle, die 1796 errichtete und mittlerweile denkmalgeschützte „Mostert’s Mill“, sowie ein Restaurant am Denkmal des britischen Kolonialisten Cecil Rhodes.

Hilfsangebote aus aller Welt
Nach dem ersten Schock gab es auch gute Nachrichten: Die Bibliothek teilte mit, dass die Rauchmelder funktioniert hätten und Teile des Gebäudes automatisch abgeriegelt worden seien. Und zumindest einige der wertvollen Dokumente waren schon digital erfasst worden. Mittlerweile sind aus der ganzen Welt Hilfsangebote eingetroffen. Auch im Netz reagierten User weltweit auf den Großbrand. Auf der Basis des digitalen Materials hofft man nun, die Sammlung afrikanischer Studien rekonstruieren zu können, erklärte ein Sprecher der Universität. Und auch das Material, das vom Feuer und vom Löschwasser verschont worden sei, müsse man jetzt dringender denn je in digitale Form bringen. „Trotzdem: Nichts kann die Magie und die Schönheit eines echten Dokuments in der Hand eines Forschers ersetzen“, so die Bibliotheksdirektorin.

Brandursache
Ein Mann wurde inzwischen unter dem Verdacht der Brandstiftung festgenommen, wie aus Stadtbehördenkreisen verlautete. Die Ursache des Brandes sei vermutlich ein von einem Obdachlosen entzündetes Lagerfeuer gewesen, hieß es. Es sei jedoch noch nicht klar, ob er tatsächlich für den Brand verantwortlich ist. Andere Augenzeugen hatten berichtet, sie hätten drei Personen beobachtet, die an den Berghängen Feuer gelegt hätten.

Gefährliche Trockenzeit
In Südafrikas Trockenzeit kommt es häufig zu schlimmen Bränden. Allerdings sei es in der von Mitte November bis April laufenden diesjährigen Saison das erste schwere Feuer in der Region gewesen. Die Feuerwehren Kapstadts warnten und warnen auf ihren Homepages vor dieser Trockenzeit und bieten Tipps und Informationen zum Verhalten im Freien und vor allem in den gefährdeten Gebieten.

Kapstadt

Kapstadt ist eine der größten Städte Südafrikas und hat 433.688 Einwohner (Stand April 2021). Seit 2004 bildet sie den ausschließlichen Sitz des südafrikanischen Parlaments. Kapstadt ist die Hauptstadt der Provinz Westkap. Seinen Namen erhielt Kapstadt wegen des „Kap der Guten Hoffnung“, das etwa 45 Kilometer südlicher liegt und historisch gesehen eine Hauptgefahr auf dem Seeweg nach Indien darstellte. Berühmt ist Kapstadt unter anderem durch sein Wahrzeichen, den Tafelberg. Seine markante, plateauförmige Oberfläche dominiert zusammen mit Signal Hill, Lion’s Head und Devil’s Peak die Skyline der Stadt.

Feuerwehr- und Rettungsdienst
Der Feuerwehr und Rettungsdienst in Kapstadt umfasst nicht nur das Feuerwehrwesen, sondern auch den Rettungsdienst und somit auch den medizinische Not- und Rettungsdienst, einschließlich städtischer Suche und Rettung, Tauchen, Befreiung aus Kraftfahrzeugen und Notfälle mit gefährlichen Stoffen. Ursprungsjahr der Gründung ist das Jahr 1845 mit der damaligen Schaffung einer Feuerwehr. Situiert ist der Feuerwehr- und Rettungsdienst in Kapstadt als Berufsfeuerwehr mit derzeit 30 Feuerwachen in vier Bezirken, die eine Bevölkerung von insgesamt vier Millionen Menschen schützen und eine Fläche von über 2.560 Quadratkilometern abdecken. Die Organisation reagiert auf alle Arten von Bränden und Notfällen und behandelt sie, von strukturellen, informellen Siedlungs-, Berg- und Feldbränden bis hin zu Bränden mit kleinen Schiffen und Kraftfahrzeugen.

Im Einsatz
Hunderte Feuerwehrleute waren aktuell insgesamt im Einsatz gegen die Flammen. Vier Mitglieder der Feuerwehr mussten mit Verletzungen im Krankenhaus behandelt werden.

Quellen:
Johannes Dieterich, Korrespondent „Der Standard“ Bernd Dörries, Korrespondent der „Süddeutschen“ SRF.ch – Homepage des Schweizer Fernsehens ORF.at – Homepage des Österreichischen Rundfunks und Fernsehens BR 24.de – Homepage des Bayerischen Rundfunks Tagesschau.de – Homepage der ARD www.capetown.gov.za/departments/Fire – Homepage des Feuerwehr- und Rettungsdienstes in Kapstadt. faz.de, Die Zeit, RND/dpa.

Starker Wind erschwerte die Löscharbeiten

Das Feuer griff auf die University of Cape Town über

Fotos: Rodger Bosch/Jerome Delay/Mike Hutchings - APA picturedesk.com