SCHWEISS: IM
KAMPF GEGEN DIE ÜBERHITZUNG

Könnte ein Feuerwehrmann im Einsatz nicht schwitzen, wäre sein Leben in äußerster Gefahr, die im schlimmsten Fall sogar zum Tod führen kann.

Autorin: Katharina Kröll, BA

Für viele ist er vor allem im Alltag, ein lästiger, ja manchmal sogar unangenehmer Begleiteter: der Schweiß. Ob an einem heißen Sommertag, während einer wichtigen Präsentation oder an einem ganz normalen Tag: Häufig verbinden wir das Schwitzen mit etwas Negativem. Trotz dieser Einstellung gegenüber unserer körpereigenen Klimaanlage rettet sie Leben. Insbesondere das der Feuerwehr. Warum das so ist, beweist ein spannendes Experiment.

Körpereigene Klimaanlage
Ehe wir uns aber mit der Feuerwehr in die heißen Flammen wagen, müssen wir zuerst die körpereigene Klimaanlage etwas genauer unter die Lupe nehmen. Warum schwitzen wir, woraus besteht Schweiß und wie genau funktioniert das überhaupt? Wir gehen der Sache auf den Grund: Wird es dem Körper zu warm, muss er gekühlt werden, wir schwitzen also. Dabei senden Nervenzellen ein Alarmsignal an das Gehirn und dieses aktiviert wiederum vier Millionen winzige Schweißdrüsen auf unserem Körper. Umgehend beginnen die kleinen Muskelzellen mit ihrer Arbeit: Sie befördern Schweiß durch die Poren bis auf die Hautoberfläche. Auf dieser angekommen, verdunstet der Schweiß schließlich und die sogenannte Verdunstungskälte entsteht, die den Körper vor Überhitzung schützt. So sorgt das Schwitzen dafür, dass der Körper immer die richtige Temperatur behält. Die Zusammensetzung von Schweiß ist denkbar einfach, denn er besteht zu 99 Prozent aus Wasser. Das restliche Prozent setzt sich aus Salzen, Fetten, Milchsäure, Ammoniak und Harnstoff zusammen. Pro Tag verliert der Mensch mindestens einen halben Liter Schweiß, sogar dann, wenn wir nichts tun. An besonders heißen Tagen oder wenn wir uns körperlich anstrengen, können daraus schnell bis zu sechs Litern werden. In Extremsituationen wie bei Wettkämpfen wie dem Ironman, ist es durchaus denkbar, dass 16 Liter Schweiß fließen. Die meisten Schweißdrüsen sitzen in den Achselhöhlen, Ellenbogeninnenseiten sowie auf Handtellern und Fußsohlen. Alleine hier sorgen 250.000 Schweißdrüsen für rund 200 Milliliter Schweiß pro Tag! Auch in der Nacht schwitzen wir und das gar nicht zu wenig: Rund ein Liter verlieren wir, während wir schlafen. Zehn Jahre und 30.000 Stunden Schlaf später hat die Matratze rund 1.800 Liter aufgesogen.

Feuerwehruniform: Fluch und Segen zugleich
Alleine das Anziehen der schweren Feuerwehruniform kann einen Kameraden besonders an heißen Tagen schon mal schnell ins Schwitzen bringen. Da möchte man sich gar nicht vorstellen, wie der Körper auf Temperaturen von bis zu 1200 Grad reagiert. Im heutigen Feuerwehrzeitalter werden die Brandbekämpfer durch ihre mehrlagige, multifunktionale und hitzeresistente Uniform besser denn je vor Flammen, Wärmestrahlung, Wasserdampf, Feuchtigkeit und begrenzt auch vor Chemikalien und anderen gefährlichen Stoffen geschützt. Die Kehrseite der Medaille gibt es hier jedoch ebenso, denn immer häufiger hört man von Atemschutzträgern, die kollabieren oder dehydrieren. Gründe dafür gibt es unzählige und einer davon könnte die falsche, meist private Kleidung unter der Uniform sein. Während die Schutzkleidung von außen gegen die heißen Strahlen schützt, erreicht es im Inneren durch die hohe Umgebungstemperatur sowie die extreme körperliche Belastung einen Punkt, an dem die Atmungsaktivität der modernen Schutzkleidung nicht mehr ausreicht. Die entstandene Wärme im Inneren sowie der Schweiß können nicht mehr abgeleitete werden. Die Folge dessen: Der Körper kann eine Hyperthermie, also einer Überhitzung, schwerer verhindern. An diesem Problem setzt das Forschungsprojekt des Hohenstein Institut für Textilinnovation an, die im Rahmen ihrer Untersuchung die thermophysiologischen Möglichkeiten und Grenzen moderner Feuerwehrschutzkleidung analysierte. Dabei kam das Institut zu folgendem Schluss: Es wäre am besten, Feuerwehrleute würden unter der Uniform funktionelle Unterbekleidung tragen, die vor allem bei Sportlern beliebt ist, denn diese wirkt sich positiv auf das Feuchtemanagement von Feuerwehrschutzbekleidung aus.
Mit dieser Unterbekleidung ist es möglich, dass Schweiß schneller aufgenommen und besser an die Uniform abgeleitet werden kann. Ebenfalls konnte im Zuge der Forschung festgestellt werden, dass insbesondere normale Alltagskleidung, die häufig bei Freiwilligen Feuerwehren unter der Schutzuniform getragen wird, schlechter Schweiß weiterleitet und abtransportiert.
Bild Schwitzen 2 Bildtext:
Von außen schützt die Uniform im Inneren aber kann sie schwer Schweiß und Wärme ableiten

Überlebenswichtig
Für die Feuerwehr ist die Regulierung der Körpertemperatur, also das Schwitzen, überlebenswichtig. Kann die Hitze während eines Einsatzes nicht schnell genug abgeleitet werden und die Körpertemperatur steigt, droht ein Hitzeschlag. Die 42 Gradmarke sollte das Thermometer nie überschreiten, denn ab dann wird die Situation schnell lebensbedrohlich. Was die menschliche Klimaanlage alles leisten kann, soll ein Experiment zeigen: Feuerwehrleute bereiten einen kontrollierten Brand vor. Protagonist dieses Experiment ist Feuerwehrmann Mario Rodriguez, der sich zu Beginn auf die Waage stellen muss. So kann später festgestellt werden, welche Menge an Schweiß er während des Einsatzes verloren hat. Nach dem Schlucken einer speziellen Sonde, die seine Körperkerntemperatur überwacht, und dem Anziehen seiner feuerfesten Uniform, geht es für ihn in das ungefähr 1200 Grad heiße Testfeuer. Seine Aufgabe lautet, einen Dummy aus den Flammen zu retten und das möglichst schnell, denn Dauerhitze ist äußerst gefährlich. Bei einem solchen Szenario, wo es richtig heiß wird, versucht der Körper seine Temperatur bei 37 Grad einzupendeln, indem er schwitzt und gleichzeitig die überschüssige Wärme über das Blut nach außen ableitet. Schon nach 45 Sekunden im Feuer ist bei dem Feuerwehrmann die Schweißregulierung in vollem Gange. Weitere 15 Sekunden später ist er bis zum Dummy vorgedrungen und kann diesen aus der Feuerfalle ins Freie retten. Vor dem Experiment lag seine Körperkerntemperatur bei 37 Grad, schon nach dem Anziehen der Uniform hat sich die Temperatur leicht erhöht. Nach nur einer Minute im Feuer ist die Kerntemperatur um einen Grad gestiegen und auch der Blick auf die Waage lässt uns staunen, denn währen des einminütigen Einsatzes im Feuer hat er rund 1,4 Liter Schweiß verbraucht. Der Schweiß hat es also geschafft, dass Mario seine Körpertemperatur trotz der extremen Hitze unter 40 Grad halten konnte. Schweiß ist also doch nicht so lästig, wie viele vermuten, denn so hat er ihn vor einem schlimmen Ausgang bewahrt können.
Nach dem Schwitzen
Nach jeder Art der Anstrengung sollte man dem Körper wieder ausreichend Flüssigkeit zuführen. Da der Körper während des Schwitzens aber nicht nur Wasser, sondern auch wertvolle Mineralien verloren hat, ist es ratsam, mineralhaltiges Wasser, Isotonische- oder Elektrolytgetränk zu sich zunehmen, um so den Verlust wieder ausgleichen zu können. Der Mythos Bier sei nach dem Sport oder körperlicher Anstrengung besonders gut, den müssen wir an dieser Stelle leider widerlegen, denn Alkohol entzieht dem Körper Wasser und ist gleich als erstes Getränk, sofern es nicht alkoholfrei ist, nicht empfehlenswert. Deshalb zu Beginn lieber auf einen Fruchtsaft mit Wasser im Verhältnis 1:3 oder 1:4 zurückgreifen und sich das kühle Bier für einen anderen Zeitpunkt aufzusparen. Vorfreude ist ja bekanntlich die beste Freude!

Quellen:
Das Erste: Welt in Zahlen – Schwitzen
P.M. Wissen 100. Sendung (29.4.2021): So heiß wird der Feuerwehr
SCHWARZ M.: Schweiß und Hitzestess im Feuerwehreinsatz – eine
unterschätze Gefahr; BrandSchutz/Deutsche Feuerwehr-
Zeitung 3/2013; S.167

Nach jeder Anstrengung brauch der Körper mineralhaltiges Wasser. Foto: Hofer

Bei Temperaturen über 1000 Grad rettet das Schwitzen Leben. Foto: RDA Erding

Einstiegsfoto: Hofer