Schwerer Brummer

Trotz Corona hat der Lkw-Verkehr heuer deutlich zugenommen. Neben der steigenden Belastung durch Lärm und Abgase hat sich auch die Unfallhäufigkeit gesteigert – ganz zum Leidwesen der Feuerwehren.

Autor: Rudolf Lobnig

Bei einem verheerenden Brand auf der Intensivstation für Corona-Patienten im Ibnal-Khatib-Krankenhaus im Südosten der irakischen Hauptstadt Bagdad kamen Dutzende Menschen ums Leben. Es gebe 82 Todesopfer und 110 Verletzte, teilte das irakische Innenministerium am Sonntag, dem 25. April 2021, mit. Der Brand war demnach durch die Explosion falsch gelagerter Sauerstoffflaschen ausgelöst worden und hatte sich wegen des Fehlens einer Brandschutzanlage schnell ausgebreitet. Der irakische Gesundheitsminister wurde noch am Sonntag vom Dienst suspendiert.

Wie eine aktuelle Analyse des Verkehrsclubs Österreich auf Basis von Daten der Asfinag zeigt, waren im 1. Halbjahr 2021 mehr Lkw unterwegs als im Vorjahr. Auf einigen Abschnitten fuhren sogar mehr Schwerfahrzeuge als vor Corona-19. In der Steiermark waren auf der A9 beim Schwarzlsee mit mehr als 1,47 Millionen die meisten Lkw unterwegs, um 17 Prozent mehr als im 1. Halbjahr 2020. Auf der A2 beim Flughafen Graz (1,39 Mio. Lkw) nahm der Verkehr sogar um fast 20 Prozent zu, und auf der A2 Laßnitzhöhe (1,34 Mio. Lkw) gab es eine Zunahme um mehr als 15 Prozent.

15. 11 Ölalarm auf der Pyhrnautobahn. Mit dem Schwerverkehrsaufkommen stieg auch die Unfallhäufigkeit durch die „schweren Brummer“ und stellt die Feuerwehren vor schwierige Aufgaben. Wie am 15. November auf der A9 Pyhrnautobahn, wo es auf Höhe Rottenmann zu einem spektakulären Unfall kam. Um 05.59 Uhr wurde die FF Selzthal zu einem Lkw-Unfall zwischen Tunnel Selzthal und Rottenmann alarmiert und rückte unverzüglich aus. Bei der Anfahrt zur Einsatzstelle stellte sich heraus, dass sich der eigentliche Unfallort im Einsatzgebiet von Rottenmann ereignet hatte, sodass die FF Rottenmann umgehend nachalarmiert wurde. Ein Sattelschlepper geriet auf der rechten Seite über den Fahrbahnrand hinaus, touchierte über mehrere Meter die Leitplanke und schlitterte über beide Fahrstreifen gegen die Mittelleitplanke aus Beton. In weiterer Folge kippte der Sattelschlepper um und kam gegen die Fahrtrichtung quer über die komplette Fahrbahn zu liegen. Beim Eintreffen der Feuerwehr war der verletzte Lenker bereits aus dem Fahrzeug befreit und wurde durch das Rote Kreuz betreut. Durch den Unfall wurde der Treibstofftank des Zugfahrzeuges stark beschädigt, und zusätzlich zum Diesel floss auch noch ein Teil der Ladung – knapp 23 Tonnen flüssiger Klebstoff – aus. Wegen der großen Menge an ausgeflossenem Treibstoff und dem Austritt der Ladung wurde sofort das GSF Liezen von der Einsatzleitung angefordert. Die Feuerwehrkräfte sicherten die Unfallstelle ab und begannen mit dem Binden der ausgeflossenen Flüssigkeiten. Insgesamt mussten knapp 500 kg Bindemittel auf die Fahrbahn aufgestreut werden, um ein weiteres Auslaufen ins angrenzende Erdreich zu verhindern.

Die Bergung des Tankwagens gestaltete sich äußerst schwierig und zeitaufwendig, da zuerst der flüssige Klebstoff aus dem stark beschädigten Anhänger abgepumpt werden musste. Dann konnte mit zwei Kranfahrzeugen der umgekippte Lkw wieder aufgerichtet werden. Nach rund acht Stunden rückte die FF Rottenmann von der Unfallstelle ab, wobei der Abtransport des Sattelschleppers und die Reparaturarbeiten an Fahrbahn und Leitplanken noch voll im Gange waren. Aufgrund der ausgelaufenen Flüssigkeiten musste das kontaminierte Erdreich abgegraben werden, bevor die komplett gesperrte Autobahn für den Verkehr wieder freigegeben werden konnte.
Im Einsatz standen die FF Rottenmann mit RLF-A 2000, LKW-A und MZF und 14 Mann, die FF Selzthal mit RLF-A, KLF und 15 Mann sowie die FF Liezen mit GSF, LKW, KDO und 8 Mann.

18. 11 26-Tonner kippte von Fahrbahn.
Drei Tage später wurde die FF Pistorf (BFV Leibnitz) um 17.04 Uhr zu einer Lkw-Bergung auf der B74 in Maierhof gerufen. Ein 26 Tonnen schwerer 4-Achser-Sattelzug kam auf der B74 von Leibnitz Richtung Maierhof von der Fahrbahn ab und kippte auf ein angrenzendes Grundstück. Der Lenker konnte sich aus eigener Kraft aus dem Zugfahrzeug retten. Nach dem Eintreffen der Einsatzkräfte wurde umgehend die Unfallstelle abgesichert und eine weiträumige Straßenumleitung des Abendverkehrs auf der B74 eingerichtet. Für die Bergung mussten zwei Kranfahrzeuge angefordert werden. Nach Abstimmung mit den Kranfahrern wurde das verunfallte Schwerfahrzeug mit beiden Kränen angehoben und mit der Seilwinde des LKW-A der FF Pistorf von der Fahrbahn weggezogen. Anschließend versuchte man, so schonend wie möglich, den Sattelzug wieder auf die Räder zu bekommen. Nachdem es gelungen war, den verunfallten Lkw aufzustellen, setzte man das Schwerfahrzeug mittels zweier Seilwinden (LKW-A und HLF3) und der Unterstützung eines Kranes wieder zurück auf die Straße. Danach konnte der Sattelzug von den zwei Kranfahrzeugen hochgehoben und für die weitere Abschleppung verladen werden.

Nach Reinigung der Unfallstelle und Binden der ausgetretenen Betriebsmittel konnte man die B74 wieder für den Verkehr freigeben. Der Einsatz nahm mehr als fünf Stunden in Anspruch.
Fotos: BFV Liezen; FF Pistorf; Quellen: OBM Wolfgang Leitner: Umgestürzter Lkw auf der A9; OLM d.V. Lisa Peissl: Lkw mit 26 Tonnen von Fahrbahn abgekommen


Fotos: Krüger P.A.: Verbrannt auf der Corona-Intensivstation, Süddeutsche Zeitung, 25. April 2021 Oxyparat C. Allihn GmbH: Alles über Sauerstoff

Zwei Kranfahrzeuge waren nötig, um den 26-Tonner
wieder auf die Straße zu stellen

500 kg Bindemittel waren nötig, um Treibstoff und Ladegut zu binden

Fotos: THAIER AL-SUDANI / REUTERS / picturedesk.com; Nail Fattakhov / Tass / picturedesk.com