Bericht & Fotos: Michael Maicovski

TEAM CAB & AUFBAU

Geländegängig, umfangreich ausgestattet, robust genug für Zulast: Die Anforderungen, die die FF Kainbach bei Graz an ein Einsatzfahrzeug stellt, sind enorm. Magirus Lohr vereinte das Gewünschte in einem Iveco Daily.

Wenn es brennt, sind sie zur Stelle. Aber allein der Kampf gegen Flammen würde die Schlagkraft der FF Kainbach bei Graz doch stark reduzieren: Durch den Löschbereich führt die berüchtigte „Riesstraße B65“, ein kurvenreicher Bürge für schwere Verkehrsunfälle. Dazu befindet sich Österreichs größtes Pflegeheim, das Pflegezentrum „Lebenswelten der Barmherzigen Brüder Steiermark“, in der hügeligen Gemeinde. Bedarf für einen soliden Fuhrpark ist also gegeben. Somit kommt für die Wehr der LKWA auf einem Iveco Daily Militärfahrgestell (GVW Military Utilityvehicle) mit 7,5 Tonnen Gesamtgewicht gerade recht. Die Ausführung mit Team Cab und Aufbau ist in dieser Form neu, zeigt sich auch der Geschäftsführer von Magirus Lohr, Christian Reisl, vom bislang einzigartigen Konzept beeindruckt.
Es ist ein Novum, was Magirus Lohr mit diesem Fahrzeugkonzept, das vor allem in Funktionalität punktet, gelungen ist. Unkenrufe, dass sich Optik und Einsatztauglichkeit nicht zu 100 Prozent vereinen, müssen sich hintanstellen: „Wir haben bekommen, was wir wollten“, ein geländegängiges Einsatzfahrzeug, mit dem man im schwierigen Areal und in Extremsituationen zufahren und arbeiten kann. Ein Fahrzeug, das sich aufgrund der Alu-Team-Cab-Kabine mit Atemschutzgeräten ausstatten lässt und das durch sein Fahrgestell eine höhere Zulast (knapp 2.400 kg auf der Ladefläche) erlaubt. Eben das bietet Iveco als Gesamtlösung ohne Fahrgestellumbauten (z. B. Achleitner), erklären Kommandant HBI Andreas Cretnik und BM Ing. Matthias Hitl die Idee hinter dem Konzept. Tatsächlich stellt das LKWA den Ersatz für das bereits vor Jahren ausgeschiedene LFBA. Damals wurde das HLF4 aus taktischen Gründen (Löschwasserbedarf) vorgezogen – auch das TLFA 3000 war in die Jahre gekommen.


60 cm Wattiefe. Hügel, Schotter, Matsch: Klingt nicht nach den idealen Bedingungen für eine Ausfahrt. Es sei denn, der Aufbau sitzt auf einem bewährten, extrem geländegängigen Fahrgestell aus der Militärfahrzeugreihe, auf die der Iveco-Konzern seit Jahren vertraut. Hier sprechen wir von einem Iveco Daily 70C18, 4x4 mit Euro 6 – 3l Motor, 4 Zylinder Turbo Diesel, 132,4 kW/180 PS und einem höchstzulässigen, eigens vom TÜV für Magirus Lohr zertifizierten, Gesamtgewicht von 7,5 Tonnen. Bei der ebenfalls erhältlichen leichteren Ausführung (5,5 Tonnen höchstzulässiges Gesamtgewicht) dürfen auch Maschinisten mit B-Führerschein ans Steuer. Aber zurück zum Thema: Glatt greifen die Zahnräder im 8-Gang-Automatik-Wandler-Getriebe ineinander. Mit an Bord sind eine Untersetzung für Geländefahrten, eine Längsausgleichssperre 50/50 und eine Vorder- sowie Hinterachsdifferenzialsperre. Und wird es erst so richtig regenfeucht, ist das Fahrzeug mit seinem Wattiefenschalter rasch für eine Gewässertiefe von 60 cm einsatzbereit.

Effizienter Allrounder.
Die Kabine ist für eine Mannschaftsstärke von 1 + 6 ausgelegt. Sie verfügt über drei gegen die Fahrtrichtung positionierte Atemschutzgeräte im Mannschaftsraum. Reserveflaschen und Masken sowie diverse Beleuchtungsgeräte komplettieren die Normausstattung. Bei der Kabine handelt es sich um eine ALU Team Cab AC. Der Aufbau mit Ladebordwand stammt aus dem Hause Mossier in Premstätten. Mitbestellt wurden zusätzlich ein Rollcontainer-Ölabwehr und ein Rollcontainer-Technik. Typengleiche Container, etwa für Hochwassereinsätze, sollen noch folgen, offenbart HBI Cretnik, wie sich die FF Kainach bei Graz für zunehmende Wetterkapriolen rüstet. Damit geht es im Notfall schnell und unkompliziert: Das Trägerfahrzeug ist nicht örtlich gebunden, es verteilt das erforderliche Equipment effizient an mehrere Einsatzstellen.

Es werde Licht. Nicht im Dunklen tappen die Einsatzkräfte dank des Beleuchtungskonzepts, das die Nacht zum Tag macht. Neben der umfangreichen Außenbeleuchtung ist der dreh- und schwenkbare Lichtmast (4 x 12-Volt-Scheinwerfer) das Herzstück. Zur verbauten Elektronik gehören eine Rückfahrkamera und eine LED-Warneinrichtung, die sich mit der HMI-Bedieneinheit intuitiv steuern lässt.

Fahrverhalten. Schon während der Anfahrt zum Fotoshooting konnte sich BLAULICHT ein Bild vom Fahrverhalten des „Boliden“ machen: Das Automatikgetriebe schaltet lückenlos und ruhig. Die Beladung zweier Container, knapp eine Tonne, hemmt die kraftvolle Beschleunigung kaum. Dabei liegt das Fahrzeug mit seiner Single-Bereifung und hohem Radstand unnachgiebig auf der Straße; allein das Sitzen auf der Rückbank ist mitunter ein wenig gewöhnungsbedürftig – aber das ist nichts Neues für solche Fahrzeugtypen. Selbst offroad ist durch die kleine Geländeübersetzung und den PS-starken Motor ein reibungsloses Anfahren bei feuchtem oder rutschigem Untergrund problemlos möglich. Ein Rückrollen bei unerwartetem Stehenbleiben im Steilen gibt es nicht. Im Winter sollte das Kettenanlegen aufgrund der Höhe des Fahrgestells in jeder Situation reibungslos möglich sein.

Herzstück des Beleuchtungskonzepts ist ein dreh- und schwenkbarer Lichtmast(4 x 12-Volt-Scheinwerfer); der Aufbau mit Ladebordwand stammt aus dem Hause Mossier in Premstätten; das Fahrzeug kann nach Bedarf mit Containern, die mit dem benötigten Equipment bestückt sind, beladen werden; drei gegen die Fahrtrichtung positionierte Atemschutzgeräte befinden sich im Mannschaftsraum.