Zwei neue Fahrzeuge, ein klares Ziel: Mit der Indienststellung eines modernen Mannschaftstransportfahrzeugs und eines Kleinlöschfahrzeugs stellt die Feuerwehr- und Zivilschutzschule Steiermark die Ausbildung ihrer Feuerwehrmitglieder konsequent auf aktuelle Technik und praxisnahe Anforderungen ein.
OBI d.LFV ING. THOMAS RAUCH
Die im Ausbildungsdienst eingesetzten Fahrzeuge legen auf dem Gelände der FWZS Steiermark zwar meist nur kurze Wegstrecken zurück und erreichen daher vergleichsweise geringe Kilometerleistungen, die intensive Nutzung führt jedoch zu einem erhöhten Verschleiß an Fahrgestell, Aufbau und Beladung. Für den Fuhrpark der FWZS Steiermark besteht daher ein eigenes Fahrzeugkonzept, das regelmäßig an technische und taktische Entwicklungen angepasst wird. Auf dieser Grundlage kommt es auch zu der Entscheidung, künftig zwei Fahrzeuge anstelle von drei zu beschaffen. Für Ersatzanschaffungen gelten dabei dieselben Rahmenbedingungen wie bei örtlichen Feuerwehren: eine festgelegte Mindestnutzungsdauer sowie die Grundsätze der Sparsamkeit, Wirtschaftlichkeit und Zweckmäßigkeit.
Aufgrund ihres Alters, des allgemeinen Zustands und der Kilometerleistung wird ein Mannschaftstransportfahrzeug (MTF) auf dem Fahrgestell Mercedes-Benz Sprinter aus dem Jahr 2001 (25 Jahre) außer Dienst gestellt. Zudem geben zwei Löschfahrzeuge mit der taktischen Bezeichnung „LF“ ihre Stellplätze frei: zum einen ein LF mit Aufbau Wolf auf einem Mercedes-Benz 711 aus dem Jahr 1993 (33 Jahre), zum anderen ein LF mit Aufbau Marte auf einem Mercedes-Benz 4120 aus dem Jahr 1999 (27 Jahre).
Das “neue” MTF. Der aktuell vor der Beschaffung eines MTF steht, weiß, dass sich die Konfiguration eines MTF aus mehreren Gründen oft als wenig „feuerwehrfreundlich“ erweist. Insbesondere die Gewichtssituation in Verbindung mit Allradantrieb, neun Sitzplätzen und der Einhaltung der B-Lenkerberechtigung (höchstzulässige Gesamtmasse 3.500 kg) stellt eine besondere Herausforderung dar und sorgt nicht selten für Kopfzerbrechen – spätestens dann, wenn die eingeholten Angebote vorliegen. Die Ersatzbeschaffung des MTF an der FWZS Steiermark wurde daher gezielt als Gelegenheit genutzt, ein möglichst kosteneffizientes Fahrzeug unter genau diesen Rahmenbedingungen zu realisieren. Neben der Hauptaufgabe des Mannschaftstransports sollte das Fahrzeug auch für den Einsatz als Einsatzleitungsbzw. Führungsunterstützungsfahrzeug geeignet sein. Der Schwerpunkt lag dabei bewusst auf einer analogen und möglichst einfach gehaltenen Lageführung. Nach einer umfangreichen Markterkundung und Angebotsphase fiel die Entscheidung auf das Fahrgestell Ford Transit Custom. Dieses verfügt serienmäßig über eine höchstzulässige Gesamtmasse von 3.300 kg und kann auf 3.500 kg aufgelastet werden. Für die Auflastung ist jedoch die stärkere Motorvariante erforderlich. Zudem wird empfohlen – unabhängig von der Wahl des Fahrgestells –, bereits in der Konfiguration eine parametrierbare bzw. programmierbare Schnittstelle für den Aufbauhersteller vorzusehen.
Technische Eckdaten und Ausstattung. Ein kraftvoller 4-Zylinder-Dieselmotor mit 1.996 cm3 Hubraum und 125 kW (170 PS) in Kombination mit einem Automatikgetriebe stellt ausreichend Leistungsreserven für eine sichere und zügige Anfahrt zum Einsatzort bereit.
Zur Ausstattung zählen zudem eine ausklappbare Anhängerkupplung sowie eine zulässige Anhängelast von 2.400 kg bei gebremsten und 750 kg bei ungebremsten Anhängern.
LED-Scheinwerfer, Klimaanlage und ein umfassendes Technologiepaket sorgen darüber hinaus für hohen Fahrkomfort und zeitgemäße Unterstützung im Einsatzalltag.
Durchdachter Ausbau für Führung und Mannschaft. Das Fahrgestell wurde über die Jagersberger Automobil GmbH beauftragt. Neben dem Grundfahrzeug konnten durch das Fachunternehmen auch die Umbereifung auf Winterreifen, die Ausstattung mit Schneeketten, eine Spurverbreiterung für den sicheren Betrieb mit Schneeketten sowie eine umfassende Fahrzeugkonservierung umgesetzt werden. Der feuerwehrtechnische Aus- und Aufbau zum Mannschaftstransportfahrzeug (MTF) erfolgte durch die CD-Karosseriebau OG aus Laßnitzhöhe. Neben den baurichtliniengemäßen Positionen wurde eine Blaulichtanlage realisiert, bestehend aus einem LED-Warnbalken im Frontbereich, einem kleineren LED-Warnbalken im Heckbereich sowie Frontblitzern. Ergänzt wird die Signalanlage durch ein elektrisches Folgetonhorn, eine Funkaufschaltung und eine Umfeldbeleuchtung. Kennleuchten am Warnbalken in Rot bzw. Grün ermöglichen zudem die Kennzeichnung spezieller Führungseinheiten, etwa für die Einsatzleitung oder den Atemschutzsammelplatz. Der Mannschaftsraum ist mit einem klappbaren Funktisch in der zweiten Sitzreihe ausgestattet. In der dritten Sitzreihe stehen zusätzliche Funkarbeitsplätze mit abgesetzten Funk-Sprechstellen und klappbaren Arbeitsflächen zur Verfügung, die jeweils mit LED-Beleuchtung versehen sind.
Im heckseitigen Laderaum wurde der Großteil der vorgeschriebenen MTF-Mindestbeladung untergebracht und ein Ladungssicherungssystem integriert. Darüber hinaus finden sich dort zusätzliche Handfunkgeräte sowie – als zentrales Element der analogen Lageführung – ein Schubladensystem zur Unterbringung von Führungsmitteln, das zugleich als Arbeits- und Schreibfläche dient, ergänzt durch ein abklappbares Whiteboard. Die Heckklappe fungiert dabei als Unterstand und Witterungsschutz und ist mit zusätzlichen LED-Leuchten zur Ausleuchtung des Arbeitsbereiches ausgestattet.
Kostenrahmen und Förderung. Trotz der ambitionierten technischen Anforderungen an das Fahrgestell – Allradantrieb, neun Sitzplätze und eine höchstzulässige Gesamtmasse von 3.500 kg – sowie der umfangreichen feuerwehrtechnischen Ausführung und Ausstattung bewegen sich die Gesamtkosten in einem finanziell vertretbaren und realisierbaren Rahmen. Unter Berücksichtigung der Förderung in Höhe von 35.000 Euro verbleibt ein Restbetrag von rund 43.000 Euro, der durch Gemeinde und Feuerwehr gemeinsam zu finanzieren ist.
Projektkosten (Preisbasis 2025):
Fahrgestell € 46.451,04 (exkl. NoVA)
Zusätze Fahrgestell € 1.944,02 (Winterreifen, Spurverbreiterung, Konservierung, Schneeketten)
Auf-/Umbau € 23.108,63
Funktechnik € 4.162,50
Beladung € 1.825,80
GESAMT € 77.491,99
Die Löschgruppe und das Kleinlöschfahrzeug. Aus ausbildungstechnischen Gründen wurde für den Fuhrpark der FWZS Steiermark ein Kleinlöschfahrzeug (KLF) als Ersatz für die beiden bisherigen Löschfahrzeuge (LF) beschafft. Insbesondere für die Ausbildung der Löschgruppe stellt diese taktische Einheit einen wesentlichen Bestandteil des Fuhrparks dar und ermöglicht eine praxisnahe Schulung nach aktuellen Standards.
Fahrgestell und Aufbau. Das Fahrzeug wurde von der Magirus Lohr GmbH realisiert und auf einem Mercedes-Benz Sprinter 519 CDI 4×4 aufgebaut. Entsprechend der Typenbezeichnung verfügt das KLF über eine höchstzulässige Gesamtmasse von 5.500 kg, eine Motorleistung von 190 PS (140 kW) sowie einen Allradantrieb.
Besatzung und Sitzanordnung. Das KLF ist für die Löschgruppen-Besatzung 1:8 ausgelegt und mit der Sitzanordnung 2–3–4 umgesetzt: zwei Sitze in der ersten Sitzreihe (Fahrer und Beifahrer), drei Sitze in der zweiten sowie vier Sitze in der dritten Sitzreihe.
Beladung und Ausrüstung. Die Beladung umfasst im Wesentlichen die Mindestbeladung eines KLF gemäß Baurichtlinie. Ergänzend wurde eine umfangreiche Bedarfsbeladung integriert, darunter Absicherungsmittel wie Verkehrsleitkegel und Blitzleuchten, zusätzliche wasserführende Armaturen sowie eine vollständige Schaumausrüstung mit Zumischer, Mittel- und Schwerschaumrohr inklusive Schaummittel.
Funktionale Ausstattung für den Ausbil- dungsbetrieb. Neben einem pneumatisch absenkbaren Auszug für die Tragkraftspritze verfügt das Fahrzeug über einen klappbaren Arbeitstisch im Mannschaftsraum sowie eine abgesetzte Funk-Sprechstelle. Anstelle eines fest verbauten Lichtmastes wird ein mobiles LED-Beleuchtungssystem mitgeführt, das eine flexible und fahrzeugunabhängige Ausleuchtung der Einsatzbzw. Saugstelle ermöglicht.
Der Mehrwert bedarfsorientierter Fahrzeugkonzepte: Fahrzeuglösungen sollten sich konsequent am realen Einsatzgeschehen vor Ort ausrichten. Die spezifische Art, Häufigkeit und Struktur der Einsätze definieren den Rahmen für eine bedarfsgerechte Konfiguration von Technik und Ausstattung. Ziel ist es, vorhandene Ressourcen so zusammenzuführen, dass das zu erwartende Einsatzspektrum bestmöglich abgedeckt wird. Eine kluge Planung integriert lokale Besonderheiten in ein Konzept, das sowohl im Routinebetrieb gut aufgestellt ist als auch für seltene Ereignisse eine angemessene Grundausstattung gewährleistet. Wirtschaftlichkeit und Personalressourcen fließen dabei als wesentliche Faktoren ein, ohne die Zweckmäßigkeit für den Einsatz zu verdrängen.
Projektkosten:
Fahrzeug € 165.848,03 (Preisbasis 11/2024)
Beladung € 6.163,69*
GESAMT € 172.011,72
*einige Beladungsgegenstände u. A. die Tragkraftspritze konnten aus dem Altfahrzeug übernommen werden.