FIT FÜR DEN EINSATZ

BL3-2022-Fit1l

SPORTVERSTÄNDNIS FÖRDERN

Man kann es nicht oft genug sagen: Feuerwehrmänner und Feuerwehrfrauen sind bei Einsätzen schweren physischen und psychischen Belastungen ausgesetzt. Routine infolge langzeitiger Gewöhnung kann die innere Anspannung bei Alarmierung und dramatischen Einsatzsituationen mindern, jedoch keinesfalls aufheben. Körperliche Fitness und Stressbewältigung durch entsprechende Maßnahmen sichern die Einsatzleistung. Dies wird dem aufmerksamen Leser auffallen, denn ich habe bereits in der Vergangenheit Beiträge zur Fitness, Gesundheit innerhalb der Feuerwehr publiziert. Daher finde ich auch das Zitat von Cooper so aussagekräftig: „Wer keine Zeit zur Ausgleichsbewegung findet, wird Zeit für Krankheit reservieren müssen“ (K. H. Cooper).

Arnold

Autor: HFM Dr. Martin Arnold

Foto: AdobeStock

G

esundheit ist heutzutage eines der beliebtesten Schlagwörter der Gegenwart. Es beinhaltet die Sehnsucht nach Wohlbe­finden, Fitness und körperlicher Leistungsfähigkeit. Ziel jeder körperlichen Aktivität ist, möglichst eine gleichmäßige Ausformung der folgenden motorischen Grundeigenschaften des Menschen zu erlangen:

Gesundheit ist heutzutage eines der beliebtesten Schlagwörter der Gegenwart. Es beinhaltet die Sehnsucht nach Wohlbe­finden, Fitness und körperlicher Leistungsfähigkeit. Ziel jeder körperlichen Aktivität ist, möglichst eine gleichmäßige Ausformung der folgenden motorischen Grundeigenschaften des Menschen zu erlangen:

Anführungszeichen

Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit, Koordination, Schnelligkeit

 

Das heißt, wir müssen uns an unserem augenblicklichen Ist-Zustand orientieren und davon ausgehen, ein realistisches Ziel zu setzen. Zu hoch gesteckte Ziele können zu Motivationsverlust und einem Übertrainingszustand führen, zumal dann die Freude an der Bewegung der Verbissenheit weichen muss. Wie schnell man eine allumfassende körperliche Fitness erreichen kann, ist von der aufgewendeten Zeit und den ausgewählten Sportarten abhängig.

Zielsetzung. Relativ einfach kann man zur Aufnahme körperlicher Aktivität motiviert werden. Ausschlag dafür können Freunde, der Rat eines Arztes oder auch der Wunsch zur Verbesserung der eigenen Attraktivität sein. Je nach Begeisterungsfähigkeit des Einzelnen wird schon am nächsten Tag mit der Sportausübung begonnen, und damit können schon die ersten Schwierigkeiten vorgezeichnet sein. Das eigentliche Problem der Sportausübung ist, über einen längeren Zeitraum motiviert zu bleiben.
Der häufigste Grund für ein Scheitern ist in einer unrealistischen Zielsetzung begründet. Die Erhaltung der Motivation wird sehr häufig von der Erfüllung der eigenen Erwartungshaltung abhängig sein. Dabei ist nicht nur ein richtiger Trainingsaufbau wesentlich, sondern auch das genetische Potenzial, wie Längenverhältnisse und Muskelstruktur. Bei einer realistischen Planung, bei der die Sportwissenschaft sicher wertvolle Tipps geben kann, dürfte es nicht besonders schwerfallen, die entsprechenden Maßnahmen durchzuführen.

Anspannung und Entspannung. Unser Organsystem und unser Organismus als Ganzes sind darauf angelegt, sich mit der Umwelt im Rhythmus von Leistung und Erholung auseinanderzusetzen, von Anspannung und Entspannung. Sie ist durch Adrenalinausstoß, erhöhten Stoffwechsel, höheren Muskeltonus, Blutdruck usw. gekennzeichnet; das heißt durch alle Symptome, die den Organismus instand-setzen, kurzfristig eine relativ hohe Leistung zu erbringen. In unserem Alltag ist ein solcher Wechsel von Anspannung und Entspannung nicht immer ausreichend gesichert. Doch besonders wenn man zu einem Einsatz gerufen wird: Schnell begibt sich das Feuerwehrmitglied zum Rüsthaus. Die bereits bestehende innere Anspannung bei der Alarmierung wird dadurch noch gesteigert. Eine ständige lnformationsflut über den Einsatz (z.B. wer ist in Notlage… usw.?) ist zu bewältigen. Wer sich der Forderung nach permanenter Diskussion oft den einfachsten Fragen in allen Lebensbereichen sowie im Feuerwehreinsatz nicht gelegentlich widersetzt, lebt auch in permanentem emotionalem Stress.

Weshalb Fitness für die Feuerwehr? Allgemeine gesundheitliche Aspekte Stress – physische und psychische Überlastung – sowie ein oft sehr einseitig ausgerichtetes Bewegungsangebot beherrschen, wie bereits angesprochen, unser berufliches und privates Alltagsleben. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, schwere Haltungsschäden und funktionsreduzierende Krankheitserscheinungen unseres Körpers können die Folge sein. Um dem vorzubeugen, ist eine gezielte und regelmäßig durchgeführte sportliche Betätigung von großer Bedeutung.

Eigene körperliche Leistung. Sportliche Betätigung bewirkt ein Wissen um die eigene körperliche Leistung. Die Einschätzung der eigenen Leistungsfähigkeit in speziellen Situationen (Alarm, Einsatz, Übungen) soll zu einem sicheren Verhalten führen. Angstfördernde Mechanismen lassen sich durch eine Verbesserung der körperlichen Stabilität abbauen und führen damit zu einer optimalen Einsatzfähigkeit. Physische Fitness unterstützt die psychische Stabilität. Ein trainierter Körper ist nicht nur leistungsfähiger, sondern weist zudem eine erhöhte Stress- und Belastungstoleranz in Extremsituationen auf!
Die besonderen, zum Teil hohen körperlichen Belastungen, die im Tätigkeitsbereich der Feuerwehren auftreten, setzen unbedingt eine ausreichende körperliche Fitness voraus. Der aktive Feuerwehrmann ist auch dem Gesetzgeber gegenüber verpflichtet, sich körperlich fit zu halten (z.B. für den Atemschutzeinsatz). Nur durch ein ausgewähltes Fitnessangebot bzw. -programm kann vor Folgen einer Über- und Fehlbelastung geschützt werden. Für länger dauernde Einsätze wird auch eine ausreichende allgemeine Ausdauerfähigkeit benötigt.

Unfall- und Krankheitsverhütung.
Die hohe physische und psychische Beanspruchung der Einsatzkräfte und die zunehmend schlechten körperlichen Voraussetzungen der Feuerwehrmitglieder führen zu Unfällen und erhöhten Unfallfolgen. Regelmäßiger und zielgerichteter Sport hilft, den „Einsatzstress“ schneller zu bewältigen, und stellt damit ein wirksames Element zur Unfall- und Krankheitsverhütung dar.

Bewegung für den Körper. Es gibt eine Unmenge von Möglichkeiten, seinen Körper zu trainieren. Von der Intensität der körperlichen Bewegung sind die Regulation des Körpergewichts, die körperliche Wellness und das persönliche Wohlbefinden abhängig. Für die erfolgreiche Integration von Gesundheitsübungen in den Tagesablauf sind zwei Voraussetzungen notwendig:

  1. Der Zeitaufwand sollte etwa 30 Minuten, dreimal die Woche, nicht übersteigen (vor allem für Einsteiger). Jeder abrupte Eingriff in das Freizeitverhalten durch feste Rahmenpläne (zum Beispiel täglich 40 Minuten Radfahren) ist meistens zum Scheitern verurteilt.

  2. Jeder Betroffene muss von der Notwendigkeit der Durchführung und der Möglichkeit der Realisierung überzeugt sein.



Ideologisierung.
Die Feuerwehr erfüllt auch eine gesellschaftliche Funktion der Ideologisierung. Einmal dienen sie der Rechtfertigung und damit der Zementierung bestehender sozialer Feuerwehrverhältnisse. Zum anderen besteht ihre Aufgabe in der Verschleierung objektiver sozialer Gegebenheiten. Ideologien haben materielle Hintergründe; sie dienen gruppenspezifischen Interessen, wie sie ja im Feuerwehrwesen oftmalig vorkommen. Eine der wichtigsten Funktionen von Sportideologien scheint darin zu bestehen, die Strukturen des Sports zu verdecken und an ihrer Stelle Idealvorstellungen zu setzen, mit denen spezielle Interessen (z.B. Effektivität) abgesichert werden können. Die Zukunft gehört dem Sport in der Feuerwehr. Mit mehr Offenheit, mit mehr Ambiente und Atmosphäre sollte dieses Unterfangen auch gelingen. Dadurch wäre der Stellenwert des Sports in der Feuerwehr interessanter. Die Bedeutung des Sports für die Feuerwehr dient somit als Integration interner Verbesserung des Feuerwehrwesens.

Ausblick.
Die Feuerwehr kann und darf sich den Einflüssen der modernen Sportentwicklung nicht entziehen. Sie müssen mit dem Wandel leben lernen: Schließlich ist das Tauziehen einmal eine olympische Disziplin gewesen; andererseits hat es Crossfit-Training, Volleyball und andere Sportarten früher nicht gegeben. Die Feuerwehrverbände sollen sich zum Interessenanwalt traditioneller und neuer Sportformen in der Feuerwehr machen. Derzeit sieht es noch nicht so aus, als hätte das systematische Nachdenken über ein neues Sportverständnis schon begonnen.

FACHBERICHTE
AUS DEN AUSGABEN

DOPPELTE (LÖSCH-)POWER

Löschpower erhöht: Die FF Spittal an der Drau bekommt jetzt Unterstützung von einem schlagkräftigen Duo: zwei baugleichen TLFA 4000.

Ausgabe 5/2023

ALLROUNDER

Der Beschaffungsprozess ist abgeschlossen: Die FF St. Michael i. O. präsentiert die Erweiterung ihres Fuhrparks, ein HLF 3 Tunnel 2000/200.

Ausgabe 2/2023

OH, DU FEURIGE

Weihnachten ist Feuerwehr die einsatzreichste Zeit des Jahres: Mehr als die Hälfte aller Brände entstehen in den besinnlichen Wintermonaten.

Ausgabe 12/2022

SIMULIERTES BEBEN

Das steirische Eisenerz war Schauplatz der ModEX. 400 Einsatzkräfte rückten zum simulierten Ernstfall, ein Erdbeben, aus.

Ausgabe 11/2022

HIGH-TECH VS. NATURGEWALT

Waldbrände mit modernsten technischen Mitteln bekämpfen stand auf der Interschutz 2022 im Fokus.

Ausgabe 11/2022

MAN@FIRE

Im Waldbrandeinsatz kämpft Markus Stengele nicht nur gegen offensichtliche Flammen – auch unsichtbare Gefahren stellen sich ihm in den Weg

Ausgabe 10/2022

AUFZUGSNOTBEFREIUNG

Bei der Personenbefreiung aus Aufzugsanlagen dienen die Feuerwehren oft als „Hausmeister der Nation“. Spannungen zwischen Wehren und Unternehmen.

Ausgabe 5/2022

ALARM IM WERK

Ob menschliches Versagen oder unglückliche Umstände zum Feuer führen: Wenn es in Industriebetrieben einmal zu brennen beginnt, dann richtig

Ausgabe 5/2022

DIE HÖLLE AUF ERDEN

In der Wüste Karakum lodert ein Krater, der Tausende Touristen anlockt. Zum „Dauerbrenner“ wurde die Attraktion durch eine Fehleinschätzung – mit Folgen.

Ausgabe 4/2022

SPORTVERSTÄNDNIS:
FIT FÜR DEN EINSATZ

Körperliche Fitness und Stressbewältigung durch entsprechende Maßnahmen sichern die Einsatzleistung.

Ausgabe 3/2022

BRANDRAUCH TÖTET

New York: Brandrauch breitest sich über Stiegenhäuser aus und versperrt Fluchtwege – 17 Tote. Sind solche Ereignisse auch auf Europa übertragbar?

Ausgabe 2/2022

ANGRIFFE AUF KRITISCHE INFRASTRUKTUREN

Digitale Angriffe können das hochkomplexe Versorgungsnetz aushebeln – und die Gesellschaft gefährden!

Ausgabe 1/2022

EINE AUSSTERBENDE SPEZIES?

Betriebsbrandschutz und der Trend zum Outsourcen: Wird die „klassische Betriebsfeuerwehr nun zur aussterbenden Spezies?

Ausgabe 12/2021

MEHRERE GROSSBRÄNDE

Der Feuerreigen reichte vom Industriebrand, dem Brand eines Alpengasthofes bis zu einem spektakulären Einsatz in der Grazer Innenstadt.

Ausgabe 11/2021

AVL STINGRAY ONE

Batteriebrände, die bei Unfällen, beim Laden oder bei anderen Zwischenfällen entstehen können, lassen sich mit dem AVL STINGRAY ONE wirksam bekämpfen.

Ausgabe 11/2021

EINSATZBEKLEIDUNG BRAUCHT PFLEGE

Gut gepflegte Schutzausrüstung garantiert auch im Ernstfall Schutz. Teil 2: Kontrolle, Trocknung, Lagerung und Imprägnierung.

Ausgabe 10/2021

EINSATZBEKLEIDUNG BRAUCHT PFLEGE

Nur eine gut gepflegte Schutzausrüstung garantiert im Ernstfall einen optimalen Schutz.Teil 1: Einsatzhygiene

Ausgabe 9/2021

BRÄNDE VON E-FAHRZEUGEN

Das Brandverhalten von E-Fahrzeugen wird breit diskutiert. Ernstfälle in unterirdischen Verkehrsanlagen bedürfen dabei einer detaillierten Betrachtung.

Ausgabe 8/2021

SCHWEISS: IM KAMPF GEGEN DIE ÜBERHITZUNG

Könnte ein Feuerwehrmann im Einsatz nicht schwitzen, wäre sein Leben in Gefahr, die im schlimmsten Fall sogar zum Tod führen kann.

Ausgabe 8/2021

BRÄNDE IN RECYCLINGANLAGEN

In Recyclinganlagen kommt es in den letzten Jahren zu einem signifikanten Anstieg von Brandereignissen.

Ausgabe 7/2021

MEIN ELTERNHAUS BRENNT

Brandalarm! Keine unbekannte Situation für den erfahrenen Feuerwehrmann Manuel Galler. Doch es ist sein Elternhaus, das in Flammen steht.

Ausgabe 7/2021